In Deutschland fehlen dagegen Faktoren, die Syrer aktiv zurück in ihre Heimat führen. Şahin-Mencütek betont: „Der Status der Syrer ist stabiler, das Vertrauen in den Aufnahmestaat ist größer und die Hoffnung auf Stabilität und eine sichere Zukunft ist deutlich stärker.“ Die Expertin verweist zudem auf frühere Postkonfliktsituationen (wie im Irak oder im Kosovo), in denen Geflüchtete nicht in großer Zahl zurückgekehrt sind, solange keine sehr strengen Maßnahmen ergriffen wurden.

Viele leben hier seit über zehn Jahren, haben sich bereits ein Leben aufgebaut. So sei die Rückkehrabsicht in den ersten ein bis drei Jahren noch hoch, nehme mit der Zeit aber allmählich ab, erklärt Şahin-Mencütek. Insbesondere Kinder seien hier in einem sozialen Umfeld integriert, es gebe Stabilität. Zudem berichten Rückkehrer laut Şahin-Mencütek, dass sie für ihren Lebensunterhalt auf Ersparnisse oder Überweisungen aus dem Ausland angewiesen sind. „Das ist auf Dauer nicht tragbar.“

Aber noch immer gibt es bewaffnete Gruppen, Entführungen und immer wieder Zusammenstöße unterschiedlicher Volksgruppen. Dabei gehört ein erheblicher Anteil der Syrer in Deutschland zu Minderheiten wie Christen oder Kurden. Gerade für diese Gruppe gibt es noch keine Entwarnung.

Laut Şahin-Mencütek verfügt Syrien außerdem schlicht nicht über die „institutionellen, wirtschaftlichen und infrastrukturellen Kapazitäten“, um eine Rückkehr in großem Umfang aufzufangen. Zunächst müssten Arbeitsplätze geschaffen und grundlegende Voraussetzungen wie Gesundheitsversorgung, Bildung, Energie und Wasser bereitgestellt werden. Davon ist man in vielen Regionen allerdings noch weit entfernt. „Die syrische Regierung und die Gesellschaft ist nicht darauf vorbereitet, eine große Zahl zurückkehrender Migranten aufzunehmen“, resümiert die Expertin.

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