„Ungewöhnlicher Vorgang“

Wirtschaftsministerin Reiche will Aufgaben an Berater auslagern


Aktualisiert am 03.04.2026 – 10:26 UhrLesedauer: 2 Min.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU): Sie ist nicht von den Mitarbeitenden in ihrem Ministerium überzeugt. (Quelle: IMAGO/dts Nachrichtenagentur)

Im Bundeswirtschaftsministerium kriselt es. Ministerin Reiche will nun einige Aufgaben extern erfüllen lassen.

Das Bundeswirtschaftsministerium von Katherina Reiche beabsichtigt, sich bei zentralen strategischen Themen ab sofort extern beraten zu lassen. Nach Angaben eines Sprechers sollen Leistungen ausgeschrieben werden, die von Mitarbeitenden des Hauses nicht selbst erbracht werden könnten. Zuerst hatte der „Spiegel“ darüber berichtet.

Die Ausschreibung für eine „Rahmenvereinbarung strategische Top-Management-Beratung“ sei demnach bereits am 31. März veröffentlicht worden. Die Bewerbungsfrist betrage 14 Tage. Laut Leistungsbeschreibung geht es nicht nur um klassische Beratung. Der Auftragnehmer soll das Ministerium auch bei prioritären Themen wie Rohstoffsicherheit, Zukunftstechnologien, außenwirtschaftlicher Sicherheit und industrieller Transformation unterstützen.

Vorgesehen seien unter anderem Analysen, Diskussionspapiere, Handlungsempfehlungen, Präsentationsunterlagen und umfassende schriftliche Ausarbeitungen. Kritik daran kommt aus dem Ministerium selbst. Ein Mitarbeiter sagte dem „Spiegel“, betroffen seien teils originäre Kernaufgaben der Verwaltung. Auch eine frühere Führungskraft sprach dem Bericht zufolge von einem ungewöhnlichen Vorgang.

Ein Ministeriumssprecher erklärte dem „Spiegel“, man wolle das Ministerium angesichts multipler Krisen „besser und agiler aufzustellen“. Es bestehe kein Zusammenhang mit den vielen offenen Stellen im BMWE, über die Medien zuletzt mehrfach berichtet hatten. Die ausgeschriebenen Leistungen seien keine, „die von Mitarbeitenden des BMWE erbracht werden können“, so der Sprecher.

Den Beratungsbedarf veranschlagt das BMWE in der Ausschreibung auf 9000 Stunden pro Jahr. 60 bis 75 Prozent davon sollen von den Partnern, also den Chefs der beauftragten Agentur, oder von Senior Associates erbracht werden. Bei branchenüblichen Stundensätzen 200 bis über 600 Euro könnten sich die Kosten auf mindestens rund zwei Millionen Euro summieren. Der Vertrag soll zwei Jahre laufen und eine Option auf eine Verlängerung um weitere zwei Jahre enthalten.

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