Studenten fordern mehr Klimaschutz an Hochschulen

Nicht nur ein Raum für Bildung, sondern ein Raum für den Protest – so umschreibt die Studentin Julia, die ihren Nachnamen nicht nennen möchte, die Philipps-Universität in Marburg. Mit ihr haben ungefähr 25 Studenten den größten Hörsaal an der Hochschule vom vergangenen Montag bis vergangenen Freitag besetzt. Banner, verteilt im vorderen Teil des Hörsaals, stellten die Motivation dahinter klar: In erster Linie ging es um mehr Klimaschutz.

Der Hörsaal in Marburg ist das jüngste Beispiel von umstrittenen Klimaprotestaktionen, die immer mehr in den Alltag der Gesellschaft rücken. Neben Straßen und Museen kommen die Aktivisten auch in die Universitäten. Die Organisation „End Fossil: Occupy“ hat weltweit Schüler und Studenten dazu aufgerufen ihre Institutionen im Namen des Klimaschutzes zu besetzen. Aber nicht nur Aktivisten, Schüler und Studenten, sondern auch Wissenschaftler, Politiker und andere Akteure kämpfen für mehr Handeln gegen den Klimawandel. Dennoch sind es gerade solch polarisierende Aktionen, die mit dem Klimaprotest in Verbindung gebracht werden. Ob das für den Klimaschutz so förderlich ist und vor allem verhältnisgemäß, sehen Akteure und Betroffene unterschiedlich.

Störung des Alltags als Ziel und Symbol der Besetzung

Bei den Studenten selbst kommen die Protestaktionen an den Universitäten nicht immer gut an. Viele Kommilitonen müssen unfreiwillig ihren Alltag umstellen und haben dafür kein Verständnis. Leonid Syrota , Jura-Student und Vorsitzende des Rings Christlich-Demokratischer Studenten in Marburg, ist einer von ihnen. Er sagt, dass viele nicht verstehen würden, warum gerade die Universität Ort des Protestes sei. Bildung sei schließlich im Interesse aller, „warum hier den Fortschritt unterbrechen?“.

Genau das „unterbrechen“ ist aber ein Schlüsselelement für die Studentengruppe im Marburger Hörsaal. Die Störung des Alltags ist nach eigenen Angaben Ziel und Symbol der Besetzung. Eben gerade die Routine muss laut der Besetzerin Julia für den Klimaschutz unterbrochen werden. Sie sagt, dass sie und ihre Mitstreiter nicht gegen die Universitäten seien. Viel mehr seien die Hochschulen ein Podest, „um das Thema Klimagerechtigkeit an die Masse zu bringen“.

Zwei Studierende hängen ein Plakat im Hörsaal in Marburg auf. Für fünf Tage hat die Gruppe der Studierenden den Audimax besetzt.


Zwei Studierende hängen ein Plakat im Hörsaal in Marburg auf. Für fünf Tage hat die Gruppe der Studierenden den Audimax besetzt.
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Bild: Maximilian von Lachner

Die Studenten fordern dabei nicht nur mehr Handeln auf nationaler Ebene, sondern auch an den Hochschulen selbst. Sie wollen einen interdisziplinären Zugang zu den Themen Klimakrise, Klimaschutz und Klimagerechtigkeit an den Universitäten. Auf Bundesebene wurde dafür bereits ein Rahmen gesetzt. Das Ministerium für Bildung und Forschung hat 2017 einen nationalen Aktionsplan für „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ veröffentlicht. Der Aktionsplan stellt klar: Bildung in Deutschland muss sich im Sinne der Klimakrise reformieren. Dabei geht es nicht nur um den eigenen CO2-Abdruck der Bildungsinstitutionen, sondern eben auch um das Thema Klimawandel in den Lehr- und Modulplänen.

Keine „curriculare Integration“ von Nachhaltigkeit in den Bildungsplänen

Ein Evaluierungsprozess des Ministeriums bewertet diese nachhaltige Entwicklung des deutschen Hochschulsystems. Die Ergebnisse dazu werden regelmäßig veröffentlicht. Der letzte Bericht zeigt, dass „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ immer mehr eine Rolle auf Landesebene spielt: Neun der 16 Bundesländer benennen Nachhaltigkeit explizit als Aufgabe der Hochschulen – zwei Jahre zuvor waren es erst sechs. Diese Klima- und Hochschulpolitik macht sich aber noch nicht erkennbar, denn der Bericht hält auch fest, dass noch keine breite „curriculare Integration“ von Nachhaltigkeit in den Lehrplänen erkennbar ist. Den Unmut eben darüber äußern die Studenten in Protesten wie in Marburg.

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