Hochschulen wollen Präsenzveranstaltungen

In der Telegram-Gruppe, in der die Studenten der TU Darmstadt Informationen über ihre Protestaktion am Donnerstag austauschen, machte die Nachricht am Montagabend sofort die Runde: Die Hochschule Koblenz schränkt ihren Lehrbetrieb ein. Um die von öffentlichen Einrichtungen geforderten 15 Prozent Energieeinsparungen zu erreichen, werde man vom 4. Dezember an bis Anfang Januar nur noch Online-Vorlesungen anbieten, teilte die Hochschule mit.

In dem F.A.Z.-Artikel, der in der Telegram-Gruppe geteilt wurde, kommt eine Studentenvertreterin zu Wort: „Das macht uns große Sorgen, da Studierende ohnehin schon finanziell belastet sind.“ Die Studenten in Koblenz müssten nun die finanziellen Konsequenzen dieser Entscheidung tragen und unter anderem mehr zuhause heizen.

Die Studenten in Darmstadt sehen in solchen Nachrichten ihre Befürchtungen bestätigt. Wegen des Haushaltsdefizits der TU drohten Einsparungen unter anderem auch in der Lehre – und ein extremes Szenario, das die Studenten am Donnerstag auf die Straße gehen lässt, ist unter anderem die Schließung der TU. Die Studenten fordern, dass die Lehre weiter in Präsenz stattfinden müsse, die Uni werde „als Wärmeort und Ort des sozialen Austauschs“ gebraucht. „Deshalb ist umso wichtiger: Seid am Donnerstag dabei“, heißt es in der Telegram-Gruppe mit Bezug auf die Meldung aus Koblenz.

Verlängerte Winterpause

Die TU Darmstadt teilt indes auf Anfrage mit, dass man nicht plane, den Vorlesungsbetrieb einzuschränken. Aber: „Um den Energieverbrauch unserer Universität ab Weihnachten zwei Wochen lang auf ein Minimum zu reduzieren, wird es für die gesamte Universität eine verlängerte Winterpause vom 24. Dezember 2022 bis 8. Januar 2023 geben, die sich zeitlich mit der üblichen Weihnachtspause im Vorlesungsbetrieb deckt.“ Zudem sei die Universitätsbibliothek vom 2. Januar bis zum 8. Januar geöffnet, damit die Studenten geheizte Arbeitsplätze hätten.

Dass man nicht vorhabe, den Lehrbetrieb einzuschränken, teilen alle von der F.A.Z. angefragten Hochschulen in Hessen mit, kündigen allerdings gleichzeitig eine Reihe von Maßnahmen an, um Energie einzusparen. So auch die Hochschule Darmstadt. „Unser Ziel ist, den Studierenden nach anstrengenden Pandemiejahren ein Studium vor Ort zu ermöglichen“, heißt es dort in einer Mitteilung. Aber in Hörsälen, Seminarräumen sowie in der Bibliothek und in Büros drossle man im Wintersemester die Raumtemperatur auf 19 Grad, Flure würden nicht geheizt und in den „Server­räumen haben wir die Kühltemperatur um einige Grad erhöht, kühlen unsere Rechner also weniger stark, und verbrauchen hierdurch weniger Strom“, heißt es weiter. So erreiche man insgesamt Energieeinsparungen von 25 Prozent. „Mit unserer Energiespar-Kampagne ,runterdrehen’ sensibilisieren wir Studierende, Lehrende wie Beschäftigte für einen verantwortungsvollen und sparsamen Umgang mit Energie.“

Auch die EBS Universität in Wiesbaden reduziert die Raumtemperatur auf 19 Grad, zudem wurde die Beleuchtung reduziert und in Fluren jeder zweite Deckenspot entfernt. Außerdem wurde die Beleuchtung auf LED umgerüstet, sofern dies nicht schon der Fall war. Und auch in Wiesbaden versucht man, Studenten, Lehrkräfte und Beschäftigte dazu zu bewegen, ihren Teil beizutragen: „Studierende und Mitarbeiterinnen wurden intensiv darauf aufmerksam gemacht, bei Verlassen der Räume das Licht auszumachen.“

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.