DFG-Präsidentin Katja Becker: Unsere Diversitätsstandards sind angemessen

Die DFG „sollte sich gut überlegen, auf welchen Zug sie hier aufspringt“, forderten vor Wochenfrist an dieser Stelle Josef Pfeilschifter und Helmut Wicht in ihrem Gastbeitrag zu den „Diversitätsstandards“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Darauf lässt sich leicht antworten: Ja, die DFG hat die Weiterentwicklung ihrer Forschungsorientierten Gleichstellungsstands in Gleichstellungs- und Diversitätsstandards wohl überlegt, und ihre Mitgliedseinrichtungen haben sich in diesem Sommer mit überwältigender Mehrheit dazu bekannt. Und dabei ging und geht es nicht darum, auf welchen Zug auch immer aufzuspringen, sondern um eine zeitgemäße Wahrnehmung von Wissenschaft, um die Behebung einer offenkundigen Problemstelle im deutschen Wissenschaftssystem und um die Eröffnung und Nutzung von Perspektiven.

Um zunächst einige Fakten zu klären: Die Forschungsorientierten Gleichstellungs- und Diversitätsstandards be­inhalten strukturelle wie personelle Standards, die die wissenschaftlichen Einrichtungen individuell umsetzen. Dieser auf institutioneller Ebene ansetzenden Maßnahme ist das Gleichstellungs- und Diversitätskonzept an die Seite gestellt. In Letzterem nimmt die DFG ihr Förderhandeln in den Blick. Ziel ist es, etwaige Barrieren in den Förderprogrammen und -verfahren ab- und entsprechende individuelle Unterstützungsmaßnahmen auszubauen.

Gemäß Paragraph 1 ihrer Satzung fördert die DFG Forschung höchster Qualität. Dabei erfordert herausragende Wissenschaft unter anderem ein breites Spektrum an Erfahrungen, Kompetenzen und Ideen sowie einen vielstimmigen Diskurs – und eben in diesem Sinne unterstützt die DFG die Gleichstellung der Geschlechter sowie die Vielfältigkeit in der Wissenschaft.

Bereits 2008 wurden die Forschungsorientierten Gleichstellungsstandards (FOG) von den DFG-Mitgliedern – Hochschulen, außerhochschulische Forschungseinrichtungen, wissenschaftliche Verbände und Akademien – beschlossen, und man war sich einig, sie gemeinsam voranzutreiben. Zu ihnen gehört beispielsweise, transparente und faire Auswahlprozesse einzurichten oder für die Vereinbarkeit von Familie und wissenschaftlicher Karriere für Männer und Frauen aktiv Sorge zu tragen.

Für eine offene Wissenschaftskultur

Schon im Text von 2008 hieß es, dass „bei allen personenbezogenen Entscheidungen strikt nach Leistungen bzw. Potenzial und nicht nach dem Geschlecht oder anderen sozialen Faktoren wie Alter, Behinderung oder Krankheit, Herkunft, sexueller Orientierung, Religion und Weltanschauung zu urteilen“ sei. Dieser Aspekt, der sich aus den Diversitätsdimensionen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) ableitet, wurde bei der Überarbeitung der FOG ausgebaut, die Standards nun auch folgerichtig in „Forschungsorientierte Gleichstellungs- und Diversitätsstandards“ (FOGD) umbenannt. Als weitere Dimension hinzugekommen ist der Aspekt der „sozialen Herkunft“ im Sinne von ökonomischer Situation, Herkunft aus nicht akademischer Familie oder Migrationsgeschichte. Diese Dimensionen sind (noch) nicht vom AGG abgedeckt, jedoch in der Wissenschaftslandschaft von hoher Relevanz.

Es ist mitnichten Ziel der FOGD, Forschende in „Identitäten“ einzusortieren oder ein „Diversitätskataster“ aufzubauen. Im Gegenteil. Neben der Erfüllung von gesetzlichen Vorgaben, insbesondere aus dem Grundgesetz und aus dem AGG, ist es primäres Ziel, mit den FOGD „die Gleichstellung aller Personen mit unterschiedlichen Geschlechtern, Hintergründen, Erfahrungen und Eigenschaften in der Wissenschaft nachhaltig zu befördern“, damit diese ihre Talente, ihre Potentiale und ihre Ideenvielfalt zur Steigerung der Qualität von Forschung und Lehre einbringen können. Denn die Mitglieder der vereinsrechtlich organisierten DFG sind wie ich zutiefst überzeugt: Die Wissenschaft kann auf diese Talente nicht verzichten.

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