Beim Weg in die JVA habe er sich gefühlt, als komme er gerade aus „einer anderen Welt“. Auf stehende Ovationen macht er sich im Gespräch mit der Kölner Lokalredaktion von t-online vor seinem Auftritt nicht allzu große Hoffnungen. „Unser Auftritt hier im Gefängnis ist sicherlich nicht das größte Highlight in deren Leben“, so Bäumer über die Gefängnisinsassinnen.
Schon im letzten Jahr war er auf der JVA-Bühne: „Da war die Stimmung eher verhalten, das kann ich aber auch nachvollziehen. Gleichwohl ist es schön, dass man den Leuten hier so einen jecken Moment bereiten kann.“
Vor seinem Auftritt an diesem Abend habe er sich aber auch einige Gedanken gemacht: „Was darf man singen, welcher Spruch passt vielleicht nicht?“ Bäumers Befürchtung, es könnte ein ruhigerer Auftritt für die Fööss werden, bestätigt sich nicht. Die Föss sind an diesem Nachmittag in der JVA zwar die erste Band auf der Bühne, die Stimmung unter den Insassinnen ist aber gleich zu Beginn ausgelassen: Die Zuschauerinnen, etwa 60 an der Zahl, singen vor allem bei den lebhafteren Songs kräftig mit, beim Fööss-Klassiker „Stammbaum“ ist man etwas verhaltener. Nicht jede scheint da textsicher zu sein.
Im Publikum schunkelt die Insassin Hasma mit dem Präsidenten des Festkomitees Kölner Karneval (FK), Christoph Kuckelkorn. Wer der hochdekorierte kölsche Würdenträger ist, weiß sie nicht. Sie sagt aber: „Der war sehr nett, da hab ich einfach mitgemacht.“ Es ist die erste Karnevalssitzung in ihrem Leben.
In rund zweieinhalb Monaten geht es für sie in die Freiheit, und sie weiß schon jetzt: „Ich will wieder Karneval feiern.“ Nach den Fööss kommt Kuckelkorn selbst auf die Bühne, es ist seine letzte Session als Präsident des Festkomitees: Die Jeckinnen halten Schilder hoch, auf denen dem langjährigen FK-Präsidenten für sein Engagement gedankt wird. Kuckelkorn kommen die Tränen, die JVA-Leiterin Angela Wotzlaw dankt Kuckelkorn. Auch er bekommt einen Orden.
