Streit im Kölner Karneval
Pferde im Rosenmontagszug: Tradition oder Tierquälerei?
10.02.2026 – 09:51 UhrLesedauer: 4 Min.
Rund 230 Pferde sollen auch dieses Jahr durch die Kölner Innenstadt ziehen. Tierschützer halten das für unvertretbar – Veranstalter widersprechen.
Jedes Jahr ziehen beim Rosenmontagszug in Köln neben Prunkwagen, Musikgruppen und uniformierten Garden auch berittene Korps durch die Innenstadt. Für viele gehören die Pferde fest zum traditionellen Bild des rheinischen Karnevals. Auch dieses Jahr sollen etwa 230 Pferde beim Kölner Rosenmontagszug mitlaufen.
Zugleich steht ihr Einsatz seit Jahren in der Kritik. Tierschutzorganisationen warnen vor Stress, Leid und Unfallrisiken für die Tiere, Veranstalter und Reiter verweisen auf umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen und Trainingsprogramme.
Während Städte wie Bonn inzwischen vollständig auf Pferde bei ihren Umzügen verzichten, hält Köln an der Tradition fest. Im Kölner Stadtrat wurden in der Vergangenheit Anträge diskutiert, den Einsatz von Pferden im Karnevalsumzug zu untersagen, teilt die Stadt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit. Eine politische Mehrheit für ein generelles Pferdeverbot habe es bisher aber nicht gegeben. Was spricht für Pferde beim Karnevalsumzug – und was dagegen?
Es gibt bereits Leitlinien, die das Leid der Tiere vermindern sollen. Sie wurden in NRW unter dem Namen „Leitlinien zum Umgang mit Pferden beim Einsatz in Karnevalsumzügen“ vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz eingeführt. Darin gibt es folgende Punkte, die allerdings nur empfehlenden Charakter haben:
Laut dem Festkomitee Kölner Karneval, das den Rosenmontagsumzug veranstaltet, gehen deren eigene Richtlinien noch über diese Vorgaben hinaus: „Unter anderem müssen Reiter, Pferd und Pferdebegleiter regelmäßig trainieren und Qualifikationsprüfungen ablegen“, erklärt Sprecherin Tanja Holthaus. „Kutscher, Reiter und Pferdebegleiter haben ganzjährig Kontakt zu Pferden, viele Reiter haben eigene Pferde. Das ermöglicht allen Beteiligten, den Zustand des Pferdes jederzeit gut einschätzen zu können.“
Auch sei ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Reiter und dem eingesetzten Tier nachzuweisen. „Zudem sind der zumutbare Lärmpegel, das Höchstgewicht von Reiter und Kamelle, das Mindest- und Höchstalter der Pferde sowie die maximale Einsatzzeit streng geregelt“, erklärt Holthaus. Vor dem Start des Zuges würden zudem alle Tiere nochmals überprüft und nicht zugelassen, falls eine erhöhte Nervosität oder anderes dagegen spräche.
