Ein verbreitetes Klischee besagt, dass es den Deutschen tendenziell an Humor mangelt. Selbst bei humorvollem Geplänkel prüft der typische Deutsche angeblich zunächst, ob „Scherz“ überhaupt auf der Tagesordnung steht. Wie eine Regierungsbehörde soll der deutsche Humor nur begrenzte Öffnungszeiten haben. Der deutsche Karneval ist eine offiziell sanktionierte und kontrollierte Zeit, in der die normalen Regeln außer Kraft gesetzt sind. Die „fünfte Jahreszeit“ beginnt in Deutschland erwartungsgemäß genau zu einem bestimmten Zeitpunkt: um 11.11 Uhr am 11. Tag des 11. Monats.

Nach einem euphorischen Auftakt folgten jedoch mehrere Wochen Ruhe vor dem Sturm. Hinter den Kulissen wird fleißig geprobt und der Karneval vorbereitet. Im Januar beginnen dann die „Karnevalstreffen“ – fröhliche Anlässe, bei denen der Alkohol in Strömen strömt: mit viel Glitzer, mehr oder weniger originellen Kostümen, Liedern zum Mitsingen und Mitsingen, den „Gardetanz“-Majoretten und – ja, wirklich – jeder Menge Humor. Der Humor kommt in Form von „Büttenreden“, Reden, die Kabarett mit gereimten Versen verbinden und im Dialekt gehalten sein müssen. Jede Pointe ist mit einer Fanfare versehen, um sicherzustellen, dass jeder sie versteht. Die „Narren“ – die offiziellen Teilnehmer des Karnevals – müssen das Publikum mit regionalspezifischen Rufen wie „Helau“, „Alaaf“ oder „Narri-Narro“ in Aufregung versetzen.

Share.
Exit mobile version