Kölner Bundestagsabgeordneter

Karl Lauterbach bleibt auf X – wegen Rechtsradikalen

01.06.2026 – 02:25 UhrLesedauer: 2 Min.

Karl Lauterbach (Archivbild): Der Kölner Bundestagsabgeordnete hat sich gegen die Linie seiner Partei gestellt und den Kurznachrichtendienst X nicht verlassen. (Quelle: Soeren Stache)

Karl Lauterbach hat X nicht verlassen – und nennt den Grund, der seine Parteikolleginnen und -kollegen in Erklärungsnot bringt.

Der Kölner SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach hat sich gegen die Linie seiner Partei gestellt und den Kurznachrichtendienst X nicht verlassen. In einem Gespräch mit dem „Tagesspiegel“ begründete er seine Entscheidung – und richtete dabei einen scharfen Seitenhieb an die Aussteiger: „Demnächst werden die Rechtsradikalen auch alle bei Bluesky sein, dann müsst ihr von dort auch weggehen.“

Trotz seiner klaren Ablehnung gegenüber dem Plattformbetreiber sieht Lauterbach keinen Grund zu gehen: „Ich will ganz klar sagen, dass ich die politische Einstellung von Elon Musk tatsächlich verachte – und das sage ich selten.“ Dennoch sei X aus seiner Sicht „ein Platz, wo um die demokratischen Rechte gekämpft wird“ – von Menschen aus der Ukraine ebenso wie von Menschen im Iran, die große Risiken eingingen, um die Plattform überhaupt nutzen zu können.

Reichweite als Argument

Lauterbach verweist auf konkrete Zahlen aus seiner eigenen Nutzung: Ein Post über eine Studie, wonach 40 Prozent der 15-Jährigen in Deutschland nur Grundkenntnisse im Rechnen und Schreiben haben, sei von 120.000 Menschen gesehen worden. „Das halte ich nicht für irrelevant“, so Lauterbach.

Grundsätzlich sieht er X als unverzichtbaren Ort für den politischen Deutungskampf: „Wenn wir diesen Interpretationskampf der CDU, der FDP und der AfD überlassen, haben die vielen Menschen, die es eigentlich so sehen wie wir, keine Unterstützung mehr.“ Wer X verlasse, überlasse diesen Kampf der Gegenseite.

Kritik an Bluesky als Echokammer

Die Alternativplattform Bluesky, unter anderem von der Grünen-Abgeordneten und Fraktionsvorsitzenden Katharina Dröge favorisiert, hält Lauterbach für ungeeignet als politisches Debattenformat: „Da sind sowieso nur Leute, die im Großen und Ganzen meiner Meinung sind.“

Dennoch räumt Lauterbach ein, seine Art der X-Nutzung angepasst zu haben. Auf maximale Reichweite durch Provokation verzichte er bewusst: „Ich kann viele hunderttausend Leute erreichen, indem ich irgendeine Schäbigkeit über Wolfgang Kubicki oder Alice Weidel schreibe. Das tue ich nicht.“ Stattdessen setze er auf inhaltliche Argumentation – auch wenn das weniger Klicks bringe: „Wenn ich in der Sache argumentiere und das haben 70.000, 80.000 Leute gesehen, dann ist das wertvoll. Diese Menschen müsste ich woanders erst einmal erreichen.“

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