Eine klassische Grünen-Karriere

Aufgewachsen in Duisburg, trat Banaszak mit 20 den Grünen bei, trug zeitweise Lippenpiercing, postete Dinge wie „Deutschland ist kein Grund zum Feiern“ am Tag der Deutschen Einheit und wurde Bundessprecher der Grünen Jugend. Später war er Landesvorsitzender in Nordrhein-Westfalen, 2021 zog er in den Deutschen Bundestag ein.

Seine wilderen Jahre hat er längst hinter sich gelassen, tritt inzwischen seriös auf und benennt das Rezept zur Macht für seine Partei heute so: „Die Grünen müssen entscheiden, ob sie Recht haben oder gewinnen wollen.“ Worauf er setzt, ist klar: gewinnen. Er führt eine Partei, die regieren will. Und das will auch Banaszak.

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Also raus aus der linken Kulturkampf-Ecke, weg von verbissener Rechthaberei und dogmatischer Prinzipientreue, fordert er. Das habe allerdings schon Robert Habeck den Menschen erzählt, merken auch Parteimitglieder. Es kann sich abnutzen.

Ein Wendepunkt für den Parteichef Banaszak war seine Rede auf dem Parteitag im vergangenen Jahr in Hannover. Hier war erstmals zu spüren, dass er in der Führungsrolle angekommen ist und Spaß daran hat. Dort erklärte er der Fahrrad-Partei, warum das Auto für ihn als Jugendlichen Freiheit bedeutete und sich niemand für einen Mallorca-Urlaub schämen müsse.

Großer Auftritt in Hannover: Banaszak spricht im November beim Parteitag. (Quelle: IMAGO/dts Nachrichtenagentur/imago)

Banaszak gelang es, mit seinem Auftritt die Grünen weiter in die Mitte der Gesellschaft zu rücken, mit alten Parteigewissheiten zu brechen und dabei gleichzeitig linke Akzente zu setzen, indem er auch das Soziale betonte. Er mutete seiner Partei etwas zu – aber eben auch nicht zu viel. So macht er es bis heute.

Wandfarbe: Flamingo

Vor allem zeigte sich dort: Banaszak ist ein talentierter Redner. Wie beim Impuls-Forum in Neukölln redete er auch in Hannover komplett frei, wirkte so authentisch und nahbar. Doch was so locker wirkt, ist ein mühsamer Prozess.

Mitte Mai präsentiert der Parteichef seinem Team in der Grünen-Zentrale in Berlin-Mitte seine Ideen für die Rede auf dem Impuls-Forum. Dazu pinnt er riesige Blätter, die er in verschiedenen Farben beschriftet hat, an die Tür seines Büros. Er hat die Wände dort erst vor einigen Monaten rosafarben anstreichen lassen. „RAL 3014 Altrosa“, um ganz genau zu sein. Oder wie Banaszak sagt: „Flamingo.“ Ein Mann, der Rosa, pardon, Flamingo, mag. Eine kleine Provokation, die eigentlich gar keine ist. Ein klassischer Banaszak, die Dekonstruktion von Stereotypen.

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