Thalia-Theater
Hamburger fordern Prüfung eines AfD-Verbots
16.02.2026 – 09:39 UhrLesedauer: 2 Min.
Drei Tage lang ging der fiktive Prozess am Thalia-Theater: Für ein Verbot reichten die Stimmen am Ende nicht, es soll jedoch geprüft werden.
Der „Prozess gegen Deutschland“ von Milo Rau ist am Sonntagabend im Hamburger Thalia-Theater zu Ende gegangen. Die sieben Geschworenen stimmten für eine Verbotsprüfung der AfD durch das Bundesverfassungsgericht. Zudem votierten sie für einen Ausschluss der Partei von der staatlichen Finanzierung.
Eine knappe Mehrheit der Jury lehnte in der fiktiven, künstlerischen Verhandlung ein vollständiges Verbot der rechtspopulistischen Partei ab. Als Vorsitzende Richterin fungierte die frühere SPD-Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin.
Die Hamburger Juristin Gabriele Heinecke erklärte in ihrer Schlussrede für die Anklage: „Diese Partei ist eine Bedrohung für einen großen Teil der Bevölkerung in diesem Land.“ Die Publizistin und Juristin Liane Bednarz betonte als Verteidigerin hingegen, dass mit einem AfD-Verbot kein Problem gelöst werde.
Die dreitägige Pseudo-Verhandlung nach einer Idee des Schweizer Regisseurs Milo Rau startete am Freitagabend. Bei fünf Terminen debattierten etwa 30 Expertinnen und Experten. Zu den Teilnehmenden zählte auch Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD).
Die Jury bestand aus normalen Hamburger Bürgern und Bürgerinnen. Sie lehnten neben ihrem Votum zur AfD auch eine Regulierung medialer Plattformen ab.
Rau, 49-jähriger Intendant der Wiener Festwochen, formte aus seinem Prozessformat eine künstlerische Marke. In Wien machte er bereits der FPÖ den Prozess. 2015 versammelte er im Kongo 60 Zeugen zum „Kongo Tribunal“.
Auf der realen politischen Bühne diskutiert Berlin bereits über ein AfD-Verbotsverfahren. Das Bundesamt für Verfassungsschutz stufte die AfD als gesichert rechtsextrem ein. Diese Einstufung ruht derzeit wegen einer Stillhalte-Zusage im Zusammenhang mit einem laufenden Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Köln.










