Klopp spricht Machtwort
„Ich habe wenig Zeit für Dummheit“
30.09.2026 – 20:09 UhrLesedauer: 3 Min.

Nach dem Griechenland-Spiel gibt es für die deutsche Nationalmannschaft nicht nur inhaltliche Kritik, sondern auch Hass im Netz. Der Bundestrainer wehrt sich.
Aus München berichtet Benjamin Zurmühl
Wer sich in den Tagen nach dem Deutschland-Spiel gegen Griechenland (0:1) auf den sozialen Medien umschaute, sah hier und da Fotos früherer Nationalmannschaften. Von der WM 2002 oder der WM 2006 zum Beispiel. Daneben ein Bild der Auswahl, die am Sonntag auf dem Platz stand.
Die war einigen Menschen im Netz nicht „weiß“ genug. Sie störten sich am Migrationshintergrund einiger Spieler, warfen ihnen vor, nicht genug für die DFB-Elf zu brennen. Rassistische Behauptungen, die sich in Windeseile verbreiteten. Die ARD-„Sportschau“ musste laut eigener Aussagen auf mehreren Plattformen Tausende Kommentare löschen.
„Da habe ich noch nicht einmal angefangen, zu denken“
Jürgen Klopp reagierte am Mittwoch auf der Pressekonferenz in München deutlich auf diese Ereignisse. „Es gibt keinen Grund, sich über diese Menschen Gedanken zu machen. Ich habe im normalen Leben wenig Zeit für Dummheit und in den sozialen Medien auch nicht“, antwortete der Bundestrainer auf die Frage eines Journalisten.
„Die große Krux unseres Lebens ist, dass jeder seine Meinung sagen darf. Das durfte man früher auch, aber wenn man es früher öffentlich machen wollte, musste man einen Leserbrief schreiben“, so der 59-Jährige. „Die Älteren unter uns erinnern sich. Da hat man einen Füller geholt, hat ihn aufgeschraubt, musste einen Brief schreiben, hat eine Briefmarke und einen Umschlag gebraucht. Bis man am Briefkasten war, war man nicht mehr sauer.“
Die Zeit der klassischen Leserbriefe ist jedoch vorbei. „Heute hauen die Leute Sachen raus, da habe ich noch nicht einmal angefangen, zu denken. Das ist Wahnsinn“, fasste es Klopp zusammen. „Wer bei uns im Camp dabei ist, die Gruppe könnte nicht großartiger in diesem Zusammenleben sein.“ Eine Mannschaftskabine im Fußball sei ein Vorbild für die ganze Welt, betonte er.
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Klopp erlebt in den ersten Wochen seiner neuen Aufgabe, wie oft er mit Themen abseits des Rasens konfrontiert ist. Er selbst war sich dem bewusst, hatte schon vor zwei Wochen das Vorhaben geäußert, sich „die Fahne zurückzuholen“. Schwarz-Rot-Gold sei zu oft für die falschen Dinge missbraucht worden. „Ich möchte, dass wir sie immer so schwingen, dass niemand denkt, was mit dir nicht in Ordnung ist. Sondern dass man einfach nur das Gefühl hat, du bist happy und verstehst, dass du Glück hattest, dass du in diesem wundervollen Land geboren, aufgewachsen und zugezogen bist.“ Der Bundestrainer betonte, Nationalstolz „nicht den falschen Leuten überlassen“ zu wollen. Er appellierte zu einem positiven Patriotismus, will, dass die Nationalmannschaft das Land wieder eint, wie sie es auch 2006 oder 2014 tat.