Mehr noch, wie Kimmich weiter erklärte: „Dafür tragen wir alle Verantwortung, dafür müssen wir auch Verantwortung übernehmen. Da darf sich jetzt auch keiner rausnehmen. Dafür müssen wir geradestehen“, sagte er. „Wir Spieler, die auf dem Platz standen, haben das verbockt, nicht der Trainer, nicht die Medien, nicht der Schiedsrichter, nicht der Gegner. Das waren allein wir.“

Es ist nicht das erste Mal, dass Kimmich nichts anderes übrigbleibt, als mit drastischen Worten Erklärungen für sein Scheitern mit der Nationalelf zu finden. Schon nach dem Vorrundenaus vor vier Jahren in Katar hatte er das auf emotionale Art und Weise getan und damals vom „schwierigsten Tag meiner Karriere“ gesprochen.

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„Ich werde mit dem Misserfolg persönlich in Verbindung gebracht“

Kimmich hatte damals bemerkenswert offen erzählt. „Vorher war Deutschland immer im Halbfinale“, haderte Kimmich. „Dann kommt man dazu und scheidet zweimal in der Vorrunde aus, letztes Jahr (bei der EM 2021; Anm. d. Red.) im Achtelfinale.“

Den vom Ehrgeiz getriebenen Kimmich, dem es selbst im Training schwerfällt, mal eine Niederlage hinnehmen zu müssen, hatte das besonders hart getroffen – nicht zuletzt in seinem eigenen Selbstverständnis. „Ich werde mit dem Misserfolg persönlich in Verbindung gebracht“, so Kimmich: „Das ist nichts, wofür man stehen möchte. Ich habe Angst, in ein Loch zu fallen.“

Bei der WM in den USA, Kanada und Mexiko sollte nun alles anders werden. Kimmich wollte endlich den Beweis antreten, dass er die Nationalmannschaft als Führungsspieler und Kapitän sehr wohl zu einem erfolgreichen Turnier führen kann – und ist dabei erneut gescheitert. Damit ist Kimmichs größte Angst Realität geworden.

„Generation nix“

Denn spätestens jetzt ist vor allem er endgültig zum Gesicht des Scheiterns einer ganzen Spielergeneration geworden. Nach der Generation um Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm, die sich 2014 mit dem WM-Triumph krönte, galt der Jahrgang 1995/96 schließlich einst als die nächste goldene Generation des deutschen Fußballs. Dazu gehören neben Kimmich auch die aktuellen Nationalspieler Leon Goretzka, Leroy Sané, Jonathan Tah und Serge Gnabry sowie die ehemaligen Niklas Süle, Julian Brandt, Timo Werner, Thilo Kehrer und Lukas Klostermann.

SOCCER-WORLDCUP-GER-PRY/
Die deutsche Nationalmannschaft ist bei der Fußball-WM gegen Paraguay ausgeschieden. (Quelle: Peter Cziborra/reuters)

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