ADAC nennt alarmierende Zahlen
Die oft ignorierte Gefahr im Verkehr
09.06.2026 – 08:07 UhrLesedauer: 3 Min.
Viele Autofahrer wissen um die Gefahr, nutzen ihr Smartphone aber trotzdem während der Fahrt. Eine neue Studie zeigt, wie häufig zum Handy gegriffen wird.
Viele Autofahrer wissen, dass ein kurzer Blick aufs Handy gefährlich sein kann. Trotzdem greifen zahlreiche Verkehrsteilnehmer während der Fahrt zum Smartphone. Eine neue Untersuchung des ADAC zeigt nun, wie verbreitet solche Verstöße tatsächlich sind – und legt eine deutlich höhere Dunkelziffer nahe, als die offiziellen Zahlen vermuten lassen.
Bei einer Verkehrsbeobachtung in fünf deutschen Großstädten stellten Tester bei 2,7 Prozent der Autofahrer Handyverstöße fest. Hochgerechnet auf das gesamte Verkehrsaufkommen in Deutschland würde das rund einer Milliarde Verstößen pro Jahr entsprechen. Der ADAC spricht deshalb von einem erheblichen Risiko für die Verkehrssicherheit.
Für die Untersuchung beobachteten Mitarbeiter den Verkehr in Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln und München. Dabei registrierten sie bei 9.573 Autofahrern insgesamt 262 Handyverstöße. Bei Radfahrern lag die Quote mit 1,4 Prozent niedriger.
Handy ist häufig in der Hand

Auffällig ist dabei, dass viele Verkehrsteilnehmer das Smartphone nicht zum Telefonieren am Ohr nutzten. Häufig hielten sie das Gerät in der Hand, um Nachrichten zu lesen, etwas einzutippen oder andere Funktionen zu bedienen. Genau darin sieht der ADAC eine besondere Gefahr: Wer den Blick nur kurz vom Verkehrsgeschehen abwendet, verliert wertvolle Reaktionszeit.
Wie groß das Risiko sein kann, verdeutlicht ein einfaches Beispiel. Wer bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h für zwei Sekunden auf sein Smartphone schaut, legt in dieser Zeit rund 28 Meter zurück, ohne den Verkehr im Blick zu haben. Der ADAC spricht von einem „Blindflug“, der schwere Unfälle zur Folge haben kann.
Autofahrer geben Verstöße zu
Auch die Selbsteinschätzung vieler Autofahrer passt zu den Beobachtungen. In einer repräsentativen Befragung gab mehr als jeder Zweite an, das Smartphone bereits während der Fahrt genutzt zu haben. Gleichzeitig berichteten 41 Prozent von gefährlichen Situationen, die sie mit der Handynutzung anderer Verkehrsteilnehmer in Verbindung bringen.
Angesichts dieser Zahlen fordert der ADAC mehr Kontrollen. Zudem spricht sich der Mobilitätsclub dafür aus, die rechtlichen Voraussetzungen für sogenannte Handy-Blitzer zu schaffen. Solche Systeme könnten Verstöße automatisiert erfassen. Rund 70 Prozent der Befragten unterstützen ihren Einsatz.
Handy am Steuer: Die wichtigsten Fragen
Darf ich während der Fahrt telefonieren?
Ja, aber nur über eine Freisprecheinrichtung oder Sprachsteuerung. Das Handy in die Hand zu nehmen, ist verboten.
Ist das Smartphone in einer Halterung erlaubt?
Ja. Es darf dann auch kurz bedient werden, sofern die Verkehrslage dies zulässt.
Darf ich WhatsApp-Nachrichten oder SMS lesen oder schreiben?
Nein. Wer Nachrichten liest oder tippt, begeht einen Handyverstoß, wenn Sie das Gerät in die Hand nehmen müssen.
Darf ich einen Anruf wegdrücken?
Nur ohne das Smartphone in die Hand zu nehmen – etwa über die Lenkradsteuerung oder die Freisprechanlage.










