Pflegearmut

„Sozialer Sprengstoff“: Pflege führt häufig zum Verlust des Hauses


07.05.2026 – 14:16 UhrLesedauer: 2 Min.

Pflegebedürftigkeit führt bei vielen Familien zu sehr starken materiellen Einbußen. (Quelle: IMAGO/Wolfgang Undesser/imago)

Pflegearmut trifft längst nicht mehr nur einkommensschwache Haushalte. Eine aktuelle Umfrage belegt das Ausmaß. Eine Reform soll nun Abhilfe schaffen.

Die Pflegebedürftigkeit eines Angehörigen bedeutet für viele Familien in Deutschland einer neuen Umfrage zufolge oft enorme materielle Einbußen. 49 Prozent der befragten Pflegenden gaben in einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit an, Pflegearmut bei sich selbst oder im näheren Umfeld – etwa bei Verwandten oder Bekannten – erlebt zu haben. Pflegearmut wurde in der vom Institut Allensbach durchgeführten Umfrage definiert als Verlust des Hauses oder eines Großteils der Ersparnisse.

Die Umfrage zeige, dass Pflegearmut „in der Mitte der Gesellschaft angekommen“ sei, erklärte DAK-Vorstandschef Andreas Storm. „Wenn jede zweite Pflegeperson bei sich oder im Umfeld durch Pflege das eigene Haus oder den Großteil der Ersparnisse verliert, dann ist das sozialer Sprengstoff.“

Lösung für explodierende Heimkosten gefordert

Bund und Länder müssten jetzt eine umfassende Pflegereform auf den Weg bringen. „Ganz wichtig ist dabei eine Lösung zur Begrenzung der explodierenden Heimkosten, damit Pflege hier für Bewohner und Angehörige nicht weiter zur Armutsfalle wird“, betonte Storm. Laut dem Verband der Ersatzkassen müssen Pflegebedürftige im ersten Aufenthaltsjahr im Pflegeheim im Schnitt 3.245 Euro im Monat (Stand: Januar 2026) aus eigener Tasche zahlen.

Viele müssen zur Begleichung der Rechnungen auf ihre Rücklagen zurückgreifen. Sind diese aufgebraucht, müssen Betroffene Sozialhilfe beantragen. Laut Berechnungen des Bremer Gesundheitsökonomen Heinz Rothgang im Auftrag der DAK erhalten derzeit 309.000 Menschen in Pflegeheimen Sozialhilfe – das entspricht einer Sozialhilfequote von 37 Prozent. „Der dramatische Anstieg bei den Ausgaben zur Hilfe zur Pflege verschärft darüber hinaus die Finanzkrise der kommunalen Haushalte massiv“, so Storm.

Reformvorschlag soll Mitte Mai kommen

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hatte angekündigt, bis Mitte Mai einen ersten Entwurf für eine Reform der sozialen Pflegeversicherung vorzulegen. Medienberichte legen nahe, dass auf Versicherte einige Härten zukommen könnten. So steht offenbar im Raum, dass die gestaffelten Zuschüsse für Pflegeheimbewohner langsamer als bisher ausgezahlt werden sollen.

Zudem könnten die Schwellenwerte, mit denen die Pflegegrade bestimmt werden, erhöht werden. Das würde bedeuten, dass weniger Menschen Anspruch auf Leistungen aus der Pflegeversicherung haben.

Mehrheit rechnet mit Beitragserhöhungen

Auch die Mehrheit der Befragten in der Allensbach-Erhebung rechnet bei der Reform mit höheren finanziellen Belastungen. 61 Prozent halten Beitragserhöhungen oder Leistungskürzungen demnach für unvermeidlich.

Die Hälfte der Bevölkerung erwartet zudem deutlich steigende Pflegebeiträge, weitere 36 Prozent immerhin moderat steigende Beiträge. Mehr als die Hälfte der Befragten (51 Prozent) zeigt sich jedoch bereit dazu, höhere Beiträge für die Pflegeversicherung zu zahlen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass der Staat die Absicherung der Pflegebedürftigkeit komplett übernimmt. Derzeit zahlt die soziale Pflegeversicherung nur einen pauschalen Anteil der Pflegekosten. Dieser ist abhängig vom jeweiligen Pflegegrad. Den Rest der Kosten müssen die Versicherten selbst schultern.

„Wir brauchen jetzt eine Finanzierungs-Architektur mit einer fairen und nachhaltigen Verteilung der Finanzlasten auf Beitragszahlende, Steuerzahlende und Pflegebedürftige. Ohne eine gerechte Lastenverteilung wird die Pflegereform keine gesellschaftliche Akzeptanz finden“, betonte DAK-Vorstand Storm.

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