Jeanneau präsentiert neue Merry Fisher

Klingt nach Gummistiefeln, Latzhose, Wollpullover und schmokelnder Pfeife in einem von wildem Bartwuchs umrahmten Gesicht. Merry Fisher lautet der Modellname einer Baureihe von Booten, mit denen Jeanneau seit mittlerweile 25 Jahren auf Kundenfang geht, immer wieder von Überarbeitungen aufgefrischt, versteht sich. Von Grönland bis Australien sind Merry Fishers unterwegs, in vielen Ländern Europas ebenso wie in Amerika. Rund 2000 Exemplare unterschiedlicher Länge baut Jeanneau im Jahr. Das nennt man eine Erfolgsgeschichte.

Der fischkutterige Name scheint eher nützlich als hinderlich zu sein, verströmt wenig Glamour, aber umso mehr Ernsthaftigkeit und Professionalität. Er lässt auf eine Ausrichtung vorwiegend auf Angler schließen, was früher einmal so gewesen sein mag, aber längst nicht mehr zutrifft. Mit einer Merry Fisher fährt man zum Tauchen raus, zum Schnorcheln und Baden in die Bucht, transportiert Fahrräder, Kajaks, Surfboards, Campingausrüstung, die Kiste Bier und, ja, auch Angelzeug. Dass man mit Rute und Kescher in der Hand rundherum ums Boot laufen kann, ohne auf ein Hindernis zu stoßen, gehört zu den baulichen Basistugenden.

Die französische Werft bietet Merry- Fisher-Typen derzeit in fünf Rumpflängen – 5,51 m, 6,45 m, 6,97 m, 7,98 m, 9,94 m – an, und das in zwei Produktlinien. Die eine, eher konventionell geformt, bringt Übernachtungsmöglichkeiten und Touringqualitäten mit, die andere geht stark in Richtung Crossover. Dabei handelt es sich um so etwas wie das seegängige SUV. Abenteuerlicheres Design, peppige Farbakzente, kantiges Deckshaus, viel Freifläche draußen und weniger Platz drinnen kennzeichnen die SUV-Varianten. Anstelle des bisher verwendeten Namenszusatzes „Marlin“ tragen sie nun die Bezeichnung „Sport“. Das klingt weniger streng nach Fisch und mehr nach Vielseitigkeit.

Ein spritziges, agiles und außerordentlich stabiles Boot

Neuestes Mitglied der Familie ist die Merry Fisher 795 Sport Serie 2, das mittelgroße SUV zum Basispreis von circa 74.000 Euro inklusive 250-PS-Yamaha-Außenborder. Beißt der Kunde an, wird er noch unumgängliches sowie wünschenswertes Zubehör ordern von Elektrik- und Elektronikpaketen über Polster und Ankerausrüstung bis hin zum Siebenfach-Rutenhalter und Dachgepäckträger für SUP-Bretter und dann möglicherweise bei 126.000 Euro landen. Diese Summe repräsentierte das Testboot, mit dem wir eine Probefahrt unternommen haben.

Die Praktische: Offenes Cockpit für viel Bewegungsfreiheit und eine Schiebetür nach Innen. Weitere Türen befinden sich an den Seiten des Aufbaus.





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SUV zur See
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Fischers Fritze fischt französisch

An den überarbeiteten, im Infusionsverfahren hergestellten Glasfaserrumpf können nun Außenbordmotoren von 250 PS Höchstleistung gehängt werden. Bisher lag das Limit bei 200. Mit dem F 250 von Yamaha erreicht die Merry Fi­sher beachtliche 34 Knoten (63 km/h) und verbraucht dabei nach Werksangabe 93 Liter Treibstoff in der Stunde beziehungsweise 2,75 Liter je Seemeile (eine Seemeile = 1,85 Kilometer). In gemäßigter Gleitfahrt von 22 Knoten genehmigt sich der 4,2-Liter-V6-Motor gut 50 Liter in der Stunde. Ein Zehntel davon, 5 Liter in der Stunde, verbraucht, wer mit 4 Knoten Fahrt dahinschleicht. Der Benzintank fasst 200 Liter.

Wer den Hebel kräftig nach vorn schiebt, erlebt ein spritziges, agiles und zudem außerordentlich stabiles Boot von nach unserem Eindruck hoher Rauwassertauglichkeit. Während des Beschleunigens hebt sich die Nase beim Übergang von der Verdränger- zur Gleitfahrt kaum, die Sicht nach vorn bleibt erhalten. In engen Kurven kippt die Jeanneau nicht ab, sodass erfreulicherweise das Kajütdach nicht die Sicht zur Kurveninnenseite versperrt. Ein zusätzlicher Außensteuerstand an der Rückwand des Häuschens ist optional erhältlich. Dessen seitliche Schiebetüren wurden vergrößert. An Festhaltemöglichkeiten besteht kein Mangel, es herrscht Bewegungsfreiheit. Das hohe Schanzkleid vermittelt Sicherheit. Der Wendekreis erinnert an einen Bierdeckel. Und der Zugang vom Steg aufs Boot über die Flächen zu beiden Seiten des Außenborders oder seitlich über eine Klappe in der rechten Bordwand ist ein bequemer.

Zweckmäßigkeit statt Extravaganz

Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich die Sport S2 als Verwandlungskünstlerin. Der Bug wird für ein zweites Cockpit genutzt, dessen Sitzfläche sich teilweise wegklappen lässt, um freien Durchgang zu gewähren. Für das hintere Cockpit sieht das modulare Konzept Klappbänke und einen mobilen Tisch vor. An der rückwärtigen Seite des Steuerhauses kann entweder eine dritte Schiebetür installiert werden oder ein Küchenblock. In letzterem Fall lässt sich im Innern an der geschlossenen Rückwand ein Sofa plazieren, wo die Schiebetüren-Variante nur einen dritten Einzelsitz hat. Die Minikabine im Bug ist nicht mehr als ein Notbehelf, was auch für den winzigen Toilettenraum mit Kriechatmosphäre gilt. Im Frischwassertank lässt sich ein Vorrat von 100 Liter mitführen.

Man darf von der Merry Fisher Zweckmäßigkeit erwarten, aber weder Extravaganz noch Luxus. Das Ambiente ist geprägt von Großserie, Standardisierung, Fließband, Kunststoff, Kostenkontrolle. Manches wirkt arg schlicht und das eine oder andere Detail billig. Auf dem Kajütboden klappert ein Holzbrett. Fahrverhalten und Vielseitigkeit indes dürften Freude wecken bei Fisherman und Friend.

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