Folgen des Iran-Kriegs
„Der große Gewinner wird China sein“
Aktualisiert am 28.04.2026 – 03:48 UhrLesedauer: 5 Min.
Der Krieg im Nahen Osten löst Unsicherheit aus und treibt die Preise für fossile Energien hoch. Vor allem China könnte von der instabilen Weltlage profitieren.
Der Krieg der USA und Israel mit dem Iran hat schwere Auswirkungen auf die globale Ölversorgung. Iran beansprucht weiterhin die Kontrolle über die wichtige Seestraße, die Straße von Hormus, durch die ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggasversorgung verschifft wird. Die Unsicherheit im Nahen Osten treibt die Ölpreise weltweit nach oben und löst starke Schwankungen an den Energiemärkten aus.
Die Lage bewirkt jedoch auch strukturelle Veränderungen am Energiemarkt. Steigende und volatile Preise für fossile Energieträger beschleunigen den Umstieg auf erneuerbare Technologien. Davon dürfte aktuell vor allem China profitieren. Laut einer aktuellen Analyse des in London ansässigen Thinktanks Ember, exportiert das Land so viel „grüne“ Technologie wie nie zuvor.
Der US-Ökonom Paul Krugman bezeichnete den Iran-Krieg in einem Beitrag auf Substack am 14. März als einen Faktor, der den Energiemarkt grundlegend verändern werde. „Der große geopolitische Gewinner von Trumps Ablehnung der Energiewende wird China sein“, schrieb der Nobelpreisträger. „Darüber hinaus wird die von China dominierte Energiezukunft durch das Desaster im Iran früher eintreten als erwartet.“
Durch massive staatliche Investitionen hat China in den vergangenen Jahren seine eigene Abhängigkeit von Öl reduziert und gleichzeitig seine Rolle als führender Anbieter erneuerbarer Technologien ausgebaut.
Dem Bericht von Ember zufolge haben die Exporte aus China von Solartechnologie, Batteriespeichern und Elektrofahrzeugen im März ein Rekordniveau erreicht. Die Auswertung zeigt, dass Solar-Exporte auf 68 Gigawatt gestiegen sind – doppelt so viel wie im Vormonat und rund 49 Prozent über dem bisherigen Höchststand.
Der Boom verdeutliche, wie geopolitische Schocks die Energiewende beschleunigen können. „Solarenergie ist bereits der Motor der globalen Wirtschaft, und die aktuellen Preisschocks bei fossilen Energien schalten noch einen Gang höher“, schrieb Ember-Analyst Euan Graham zu dem Bericht. Länder importierten Solartechnik auf Rekordniveau und bauten gleichzeitig eigene Produktionskapazitäten auf.
Die australischen Forscher Peter Newman und Ray Wills schrieben in einem Beitrag in dem Wissenschaftsmagazin „The Conversation“, Staaten sicherten derzeit nicht nur Öl, sondern „verlässlichere Energiequellen“, um künftige Krisen abzufedern. Die neuen Daten zeigten dabei das Gegenteil früherer Projektionen: Statt eines Einbruchs hätten sich die chinesischen Solarexporte binnen eines Monats sogar verdoppelt .
Nach ihrer Einschätzung dürften steigende Ölpreise die Suche nach nicht fossilen Alternativen weiter beschleunigen – ähnlich wie bei den Ölkrisen vor über 50 Jahren. „Dieses Mal ereignet sich der Ölschock jedoch inmitten der rasantesten Energiewende, die die Menschheit je erlebt hat“, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Analyse.










