Insolvenzen erreichen Höchststand

Hier droht immer mehr Apotheken die Pleite


24.03.2026 – 13:38 UhrLesedauer: 3 Min.

Finanziell schwierige Lage: Immer mehr Apotheken müssen Insolvenz anmelden. (Quelle: IMAGO/Darius Simka/imago)

Immer mehr Apotheken müssen aus wirtschaftlichen Gründen dauerhaft schließen. In einigen Bundesländern spitzt sich die Situation besonders zu.

In der öffentlichen Meinung gelten Apotheken häufig als absolute Goldgruben. Ein Eindruck, dem die Branche energisch widerspricht: Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekenverbände (ABDA) beklagt immer wieder die „chronische Unterfinanzierung“ vieler Betriebe und warnt vor einem Apothekensterben.

Tatsächlich hat sich die wirtschaftliche Situation für immer mehr Apotheken in den vergangenen Jahren spürbar eingetrübt. Dies bestätigen neue Zahlen der Wirtschaftsauskunftei CRIF. Demzufolge hat die Zahl der Apothekeninsolvenzen im vergangenen Jahr mit 44 Fällen den höchsten Stand seit 2008 erreicht. Seit 2023 geht die Zahl deutlich bergauf: Verzeichnete CRIF 2023 noch insgesamt 19 Insolvenzen, verdoppelte sich diese Zahl im Jahr darauf (40) und stieg 2025 auf insgesamt 44.

Auch die Zahl der insolvenzgefährdeten Apotheken ist zuletzt merklich gestiegen: 246 Apotheken galten 2025 als gefährdet. In diesem Jahr stieg diese Zahl bereits auf 277 Betriebe – ein Plus von 12,6 Prozent. In einigen Bundesländern ist die Entwicklung besonders alarmierend: So nahm die Zahl der insolvenzgefährdeten Apotheken in Hessen um 46,7 Prozent gegenüber 2025 zu, auch in Nordrhein-Westfalen (30,8), Baden-Württemberg (26,7) und Thüringen (22,2 Prozent) rutschen immer mehr Betriebe in wirtschaftliche Schwierigkeiten. In Hamburg, Schleswig-Holstein und Bremen ging die Zahl der insolvenzgefährdeten Apotheken hingegen merklich zurück.

„Die wirtschaftliche Situation vieler Apotheken verschärft sich zunehmend“, bemerkt Frank Schlein, Geschäftsführer von CRIF Deutschland. „Während Personal-, Energie-, Miet- und Bürokratiekosten stetig steigen, bleibt die Honorarentwicklung seit Jahren nahezu unverändert.“

Aber: Im Vergleich zu anderen Branchen erweist sich der Medikamentenhandel als vergleichsweise stabil. So gelten deutschlandweit insgesamt 332.470 Firmen als insolvenzgefährdet. Das entspricht einem Anteil von 10,3 Prozent aller Firmen. Der Anteil insolvenzgefährdeter Apotheken fällt mit 1,7 Prozent deutlich geringer aus.

„Auch wenn Apotheken im Vergleich stabiler dastehen, dürfen die steigenden Kosten und die fehlende Honoraranpassung nicht unterschätzt werden“, mahnt Schlein. „Sie setzen der Branche zunehmend sichtbar zu.“

Seit Längerem fordern Apotheker eine Erhöhung des sogenannten Fixbestandteils. Apotheken erhalten derzeit einen festen Betrag von 8,35 Euro für jedes verschreibungspflichtige Medikament. Die Branche fordert eine Erhöhung auf 9,50 Euro. So steht es auch im aktuellen Koalitionsvertrag der Bundesregierung. Aufgrund der finanziell angespannten Lage der Krankenkassen stellte die Politik das Vorhaben aber zurück. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken kündigte jedoch im Februar an, die Erhöhung nun umzusetzen. Noch im Frühjahr beabsichtigt Warken, eine entsprechende Verordnung vorzulegen.

In den vergangenen Jahren ging die Zahl der Apotheken hierzulande immer weiter zurück. Laut dem Apothekenverband ABDA gab es zu Beginn des Jahres in Deutschland noch 16.601 Apotheken. Das waren 440 weniger als ein Jahr zuvor. Die Gründe hierfür schlüsselt der Verband nicht auf, verweist aber stets auf die wirtschaftlichen schwierigen Rahmenbedingungen.

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