Laut Studie

Infektionsrisiko bei Diabetes deutlich erhöht


11.06.2026 – 15:05 UhrLesedauer: 2 Min.

Blutzuckermessung (Symbolbild): Die Dunkelziffer bei Diabetes ist hoch – Schätzungen zufolge wissen etwa zwei Millionen Menschen nicht, dass sie betroffen sind. (Quelle: fcafotodigital)

Menschen mit Diabetes erkranken deutlich häufiger an Infektionen. Eine neue Studie zeigt, dass das Risiko oft unterschätzt wird.

Wer Diabetes hat, hat ein weitaus höheres Risiko für Infektionen als davon nicht betroffene Menschen. Das zeigt eine große Studie aus Großbritannien, die im Fachmagazin „Diabetes“ veröffentlicht und auf der Jahrestagung der American Diabetes Association vorgestellt wurde. Die Forscher plädieren daher dafür, das Thema Infektionsschutz stärker in die Diabetesbehandlung einzubeziehen.

Für die Untersuchung wertete ein Team der City St. George’s, University of London die anonymisierten Gesundheitsdaten von mehr als 800.000 Menschen aus, bei denen ein Typ-1-Diabetes, Typ-2-Diabetes oder eine symptomfreie Vorstufe davon (sogenannter Prädiabetes) vorlag. Die Daten wurden mit denen von mehr als einer Million Menschen ohne Diabetes verglichen.

Gut zu wissen

In Deutschland gibt es mindestens 9,1 Millionen Menschen mit einem diagnostizierten Typ-2-Diabetes sowie 340.000 Erwachsene und 37.000 Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes.

Besonders hohes Risiko bei Typ-1-Diabetes

Dabei zeigte sich, dass Menschen mit Typ-1-Diabetes besonders gefährdet waren. Ihr Risiko für ambulant behandelte Infektionen war um 81 Prozent erhöht. Noch deutlicher fiel der Unterschied bei schweren Infektionen aus: Die Wahrscheinlichkeit, wegen einer Infektion ins Krankenhaus zu müssen, lag um 337 Prozent höher als bei Menschen ohne Diabetes.

Auch bei Typ-2-Diabetes zeigte sich ein deutlich erhöhtes Risiko. Hier traten Infektionen, die in Hausarztpraxen behandelt wurden, um 51 Prozent häufiger auf. Das Risiko für eine Krankenhauseinweisung war um 91 Prozent erhöht.

Selbst Menschen mit Prädiabetes waren stärker betroffen: Ihr Risiko für Infektionen lag ambulant um 35 Prozent und stationär um 33 Prozent höher.

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Infektionen zählen zu den häufigsten Todesursachen

Besonders alarmierend: Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes waren Infektionen nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache.

Zu den häufigsten schweren Infektionen gehörten Lungenentzündungen und andere Infektionen der unteren Atemwege. Als häufigste infektionsbedingte Todesursachen nannten die Forscher Sepsis sowie schwere Atemwegsinfekte.

Blutzuckerwerte spielen eine wichtige Rolle

Die Studie zeigt zudem einen Zusammenhang zwischen der Blutzuckereinstellung und dem Infektionsrisiko. Bei Typ-1-Diabetes stieg das Risiko bei höheren Blutzuckerwerten. Bei Typ-2-Diabetes waren dagegen vor allem starke Schwankungen der Werte mit schweren Infektionen verbunden – selbst wenn der Durchschnittswert gut aussah.

Nach Ansicht der Forscher sollte das Thema Infektionen künftig einen deutlich höheren Stellenwert in der Diabetesversorgung erhalten. Neben einer guten Blutzuckerkontrolle sollten Betroffene daher über mögliche Anzeichen für Infektionen aufgeklärt werden, um diese möglichst frühzeitig abklären und gegebenenfalls behandeln lassen zu können. So ließen sich Krankenhausaufenthalte und Todesfälle vermeiden.

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