Krise in der Stahlindustrie

IG Metall ruft zu Großdemo nach Berlin auf

Aktualisiert am 08.06.2026 – 13:18 UhrLesedauer: 2 Min.

IG-Metall-Chefin Christiane Benner ist in Sorge. (Archivbild) (Quelle: Moritz Frankenberg)

Die IG Metall macht mobil. Für Freitag ist ein Protestmarsch geplant. Auch zwei Bundestagsparteien rufen zu der Kundgebung auf.

Angesichts der Krise der deutschen Stahlindustrie ruft die IG Metall zu einer Großkundgebung mit den Spitzen der Grünen und Linken in Berlin auf. An diesem Freitag (12. Juni) sollen Beschäftigte aus dem gesamten Bundesgebiet für die Belange der Stahlbranche demonstrieren und vom Brandenburger Tor bis zum Bundeswirtschaftsministerium ziehen, wie die IG Metall in Frankfurt am Main mitteilte. Es würden Tausende Teilnehmer erwartet.

„Die Politik hat in den vergangenen Monaten – auf unseren Druck hin – einiges für die Stahlindustrie getan“, sagte Jürgen Kerner, Zweiter Vorsitzender der IG Metall. „Sie darf jetzt nicht auf halbem Weg stehen bleiben. Sie muss ihre Versprechen erfüllen.“

Neben Kerner sollen an der Kundgebung die Parteichefs von Grünen und Linken, Felix Banaszak und Ines Schwerdtner, teilnehmen. Sprechen sollen auch Betriebsratsvorsitzende und Arbeitsdirektoren aus der Stahlbranche.

Die deutsche Stahlindustrie steckt in einer tiefen Krise. Nicht allein steigende Energiepreise und hohe Lohnkosten machen den Unternehmen zu schaffen. Auch billige Stahlimporte aus China und US-Zölle lasten auf dem Geschäft. Hinzu kommt der Übergang zu klimafreundlichem Stahl, der mit erneuerbarem oder grünem Wasserstoff statt Kokskohle hergestellt werden soll.

Stahlproduktion fällt auf Rekordtief

Im vergangenen Jahr war die Produktion der deutschen Stahlindustrie auf 34,1 Millionen Tonnen Rohstahl gefallen – der niedrigste Wert seit der Finanzkrise 2009. Der Stahlkonzern Thyssenkrupp Steel Europe hat eine harte Sanierung beschlossen und will rund 11.000 Stellen streichen oder auslagern.

Die Bundesregierung hatte bereits im November zu einem Stahlgipfel im Kanzleramt eingeladen. Sie hat einen Industriestrompreis auf den Weg gebracht, um energieintensive Branchen wie die Stahlindustrie zu entlasten. Hilfe kommt auch aus Brüssel: Die EU hat sich im April darauf geeinigt, die zollfreie Einfuhrmenge in die Europäische Union fast zu halbieren. Weitere Importe sollen mit einem Strafzoll von 50 Prozent belegt werden.

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