Wachstumsaussichten schlecht

Iran-Krieg kostet deutsche Haushalte 400 Euro


18.06.2026 – 11:47 UhrLesedauer: 2 Min.

Ein Auto wird aufgetankt: Die Energiepreise sind durch den Iran-Krieg steil angestiegen. (Quelle: IMAGO/Sergey Bobylev/imago)

Die Lage der deutschen Wirtschaft hat sich aufgrund des Iran-Kriegs verschlechtert. Ökonomen haben nun berechnet, was der Krieg deutsche Haushalte kostet.

Das Ifo-Institut blickt für 2027 pessimistischer auf die deutsche Wirtschaft. Wegen der Folgen des Iran-Kriegs dürfte das Bruttoinlandsprodukt nur noch um 0,8 Prozent steigen und damit nicht wie noch im März erwartet um 1,2 Prozent, wie die Münchner Wirtschaftsforscher am Donnerstag mitteilten. Im laufenden Jahr dürfte es, wie bisher angenommen, um 0,8 Prozent nach oben gehen. Die Inflation werde auf 2,9 Prozent steigen und im nächsten Jahr dann leicht auf 2,7 Prozent sinken.

„Während ein massiver Energiepreisschock durch den Nahostkonflikt die Konjunktur bremst, stützt eine stark expansive Finanzpolitik das Wachstum“, sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. „Die Wirtschaft steht konjunkturell im Zeichen gegensätzlicher Kräfte.“

Wachstum im Jahr 2026 „teuer erkauft“

Die Erholung der Wirtschaft habe im Winterhalbjahr zwar an Fahrt gewonnen. „Der durch den Konflikt im Nahen Osten ausgelöste kräftige Anstieg der Energiepreise schmälert jedoch die Kaufkraft der privaten Haushalte und bremst den privaten Konsum“, erklärte das Ifo-Institut. Daher dürfte die Erholung im laufenden Frühjahrsquartal pausieren. „Die deutsche Wirtschaft wird vorübergehend stagnieren, nicht aber in eine Rezession fallen“, sagte Wollmershäuser. Ab dem Sommerquartal dürfte sich die Belebung fortsetzen und zum Jahresende beschleunigen – „sofern sich der Nahostkonflikt tatsächlich entspannt“.

Dank Rückenwind durch das Fiskalpaket der Bundesregierung mit mehr Investitionen der öffentlichen Hand dürfte es allmählich bergauf gehen. Die Mehrausgaben des Staates dürften die Konjunktur in diesem und im nächsten Jahr laut Ifo-Institut um je 0,5 Prozentpunkte anschieben, während der „Energiepreisschock“ um je 0,4 Punkte bremse.

Das Wachstum sei aber „teuer erkauft“. Denn der expansive Kurs der Finanzpolitik lasse die Finanzierungsdefizite des Staates 2026 und 2027 „kräftig anschwellen, von 2,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts 2025 auf 4,1 Prozent bzw. 4,9 Prozent“, erklärte das Ifo. Die EU-Obergrenze liegt bei drei Prozent. Die gesamtstaatliche Schuldenquote nach den Maastricht-Kriterien steigt demnach um fast fünf Prozentpunkte auf 68,1 Prozent im Verhältnis zur Wirtschaftskraft 2027.

Deutsche verlieren 400 Euro durch Iran-Krieg

Deutschland verliert den Wirtschaftsexperten zufolge durch die stark gestiegenen Preise für importierte Energie rund 34 Milliarden Euro an Kaufkraft in diesem und im kommenden Jahr. Nach Berechnungen der „Süddeutschen Zeitung“ entspricht dies 400 Euro pro Kopf in Deutschland, die zusätzlich wegen der höheren Energiepreise ausgegeben werden müssen.

Die langfristigen Wachstumsperspektiven schätzen die Münchner Ökonominnen und Ökonomen aber unverändert schlecht ein. „Sie leiden unter einer demografisch bedingten Verknappung des Arbeitskräfteangebots und einem nur geringen Anstieg der Arbeitsproduktivität.“ Bis Ende des Jahrzehnts dürfte das Wachstum des Produktionspotenzials auf nur 0,1 Prozent sinken.

Die Konjunkturprognose sei stark vom Verlauf des Iran-Kriegs abhängig und deshalb „mit erheblichen Abwärtsrisiken behaftet“, betonten die Ifo-Fachleute. Die staatlichen Impulse wirkten zwar kurzfristig stabilisierend, aber überwiegend strukturerhaltend. „Um das Wachstumspotenzial nachhaltig zu steigern, bedarf es tiefgreifender Reformen, die aus einer staatlich gestützten Atempause ein dauerhaftes, eigenständiges Wirtschaftswachstum machen“, betonte Wollmershäuser.

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