Hohe Energiepreise
Experte rügt Deutschland: „Historischer Fehler“
Aktualisiert am 08.04.2026 – 18:42 UhrLesedauer: 2 Min.
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Die Waffenruhe im Iran-Krieg sorgt für Hoffnung – doch die wirtschaftlichen Folgen bleiben. Vor allem die Lage an der Straße von Hormus bereitet Experten Sorgen.
Die Auswirkungen des Iran-Kriegs werden nach Einschätzung des Chefs der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, noch lange andauern. „Wir werden die Folgen viele Monate spüren, wenn nicht Jahre“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. Zwar sei die vereinbarte Waffenruhe eine „sehr erfreuliche Nachricht“. Entscheidend bleibe jedoch, dass die Straße von Hormus wieder vollständig geöffnet werde.
Über die Meerenge wird ein erheblicher Teil des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels abgewickelt. Der Iran hatte sie in den vergangenen Wochen weitgehend blockiert. Im Rahmen des Waffenstillstands öffnete das Regime die Durchfahrt wieder und ließ erste Schiffe passieren. Doch nach heftigen Angriffen Israels gegen den Libanon hat der Iran laut Medienberichten Tanker gestoppt und die Straße erneut blockiert.
Birol warnte, dass sich die Lage nicht schnell entspannen werde. Selbst wenn die Schifffahrt wieder aufgenommen werde, dauere es Wochen, bis Lieferungen Europa erreichten. „Je länger sie geschlossen bleibt, desto schmerzhafter wird es“, sagte er. Vor allem bei Diesel und Kerosin könnten schon bald Engpässe auftreten.
Kurzfristig könne Europa noch durch den April kommen, erklärte Birol. Danach drohten jedoch zunehmende Probleme. Sollte die Meerenge nicht vollständig geöffnet werden, könnten sich die Auswirkungen ab Mitte Mai deutlich verschärfen – etwa im Flugverkehr.
Auch andere Experten sehen die Lage kritisch. Die Ökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sprach (DIW) von der „schwersten fossilen Energiekrise unserer Zeit“. Steigende Preise für Öl, Gas und Lebensmittel legten die Verwundbarkeit des Systems offen.
Für Deutschland ergibt sich ein besonderes Risiko. Zwar ist die direkte Gasversorgung derzeit gesichert, da ein Großteil der Importe aus anderen Regionen kommt. Doch die Preise auf den internationalen Märkten steigen – und wirken sich unmittelbar auf Stromkosten und Industrie aus.
