Ruhm dank Waltz mit Bashir
Max Richter hat in verschiedenen Ensembles gespielt und zahlreiche Soloalben veröffentlicht, die man am besten als neoklassisch bezeichnen kann. Größere Bekanntheit erlangte er 2009 durch seinen Soundtrack zum Zeichentrickdokumentarfilm „Waltz with Bashir“. Seitdem hat der 59-Jährige Musik für viele andere Filme geschrieben, etwa für Never Look Away (2018) und den Grammy-nominierten Film Ad Astra (2019). Richters Musik wurde auch bei Modenschauen sowie bei Tanztheateraufführungen und olympischem Eiskunstlauf gespielt.
Der ursprünglich aus dem niedersächsischen Hameln stammende Komponist wuchs im englischen Bedford auf und studierte klassische Komposition und Klavier an der University of Edinburgh und der Royal Academy of Music. Seine ersten prägenden musikalischen Erfahrungen machte er jedoch bereits in Deutschland. Bei der Berlinale-Preisverleihung sagte er, er sei damals noch keine drei Jahre alt gewesen. Er spielte im Wohnzimmer, und die Schallplatte eines Johann-Sebastian-Bach-Konzerts lief, während die Sonne schräg durch das Fenster schien. Als „überwältigendes emotionales Erlebnis“ beschreibt Max Richter die Art und Weise, wie die beiden Dinge zu einem hybriden Gefühl verschmolzen. Schon als Kind erkannte er eine „Logik“ hinter den Klängen.
Die Rolle der Filmmusik
Was passiert, wenn er seine eigene Musik hört? Es brachte ihn dazu, „über jedes noch so kleine Atom der Geräusche“ nachzudenken und darüber, ob die Geräusche „auf die bestmögliche Weise präsentiert werden“, sagte Richter in Berlin. Er erklärte weiter, dass er sich gefragt habe: „Erzählen sie die Geschichte am intensivsten und direktsten? Kommunizieren sie so kraftvoll wie möglich? Fühlen sie sich unvermeidlich?“ Nur wenn diese Kriterien erfüllt seien, stimme die Musik, so Richter. Auf die Rolle der Filmmusik angesprochen, antwortete Max Richter, dass sie auf mehr als eine Art und Weise zum Thema eines Films oder einer Szene sprechen müsse. Anschließend erläuterte er dies anhand von Szenen aus Hamnet und Ad Astra.
Geister aus der Vergangenheit
In Hamnet gibt es eine Szene, in der sich William Shakespeare und seine zukünftige Frau Agnes zum ersten Mal treffen. Shakespeare erzählt Agnes die berühmte Geschichte von Orpheus und Eurydike. In der Szene ist eine Harfe zu hören, denn Orpheus spielt eine Leier, eine kleine Harfe. Allerdings sei auch eine „beständige rhythmische Struktur“ zu hören, die es den Leuten helfe, dem Dialog zu folgen, sagte Max Richter und fügte hinzu, dass dies bis zu dem Punkt fortgesetzt wurde, an dem Agnes durch eine Augenbewegung ihr Interesse an William signalisierte. Die Musik veränderte sich dann und enthielt akustische Elemente aus der elisabethanischen Zeit, die jedoch elektronisch so transformiert wurden, dass sie wie „Geister“ klangen, sagte Richter. Schließlich geht es im Film auch um einen Geist: den Geist von Hamnet, dem Sohn von William und Agnes, dessen Tod sie verkraften müssen.
