Rassismus, Todeswünsche, Bedrohungen von Familien: Einige HSV-Fans sorgen mit ihrem Verhalten im Netz für Entsetzen. Verein und Fanszene müssen reagieren.
Am Dienstag wird es emotional im Volkspark. Nach fast vier Jahren darf Mario Vušković wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. In dieser Zeit haben der HSV und seine Fans oft demonstriert, was sie unter Zusammenhalt verstehen. Der Verein ließ den Kroaten trotz der Dopingvorwürfe nicht fallen, die Anhänger zeigten regelmäßig Vušković-Banner und skandierten seinen Namen. Doch ausgerechnet jetzt bekommt das Bild vom großen Zusammenhalt beim HSV tiefe Risse.
Denn in den vergangenen Wochen zeigten sich einige HSV-Fans in den sozialen Medien von ihrer schlechtesten Seite. Da wäre der Fall Ransford Königsdörffer. Der 24-Jährige, zuletzt von Hamburg nach Mainz gewechselt, jubelte provokant gegen den HSV und legte später in einem Interview seine Gründe offen.
Königsdörffer berichtete von Todeswünschen, rassistischen Beleidigungen und Angriffen gegen seine Familie. Über ein ganzes Jahr hinweg. Von Personen, die sich offenbar dem HSV verbunden fühlen und selbst bei einem verdienten Aufstiegshelden jeglichen Anstand vermissen ließen.
Rassismus gegen HSV-Profi Torunarigha
Königsdörffer ist kein Einzelfall. Abwehrspieler Jordan Torunarigha machte erst im August rassistische Nachrichten öffentlich, die gegen ihn gerichtet waren. Spielt der HSV schwach, wird der 29-Jährige in den Kommentarspalten schnell zum Schuldigen gemacht. Wo harte sportliche Kritik noch legitim wäre, hagelt es persönliche Beleidigungen gegen Torunarigha. Der HSV-Profi deaktivierte sogar seinen Instagram-Account.
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Auch Ludovit Reis wurde zur Zielscheibe von Hassnachrichten. Der 26-Jährige spielt seit diesem Sommer für den Erzrivalen Werder Bremen. Für manchen HSV-Fan reichte das offenbar aus, um aus einer gefeierten ehemaligen „Rothose“ plötzlich ein Feindbild zu machen. Seine Familie wurde im Zuge des Transfers ebenfalls bedroht. Werder und der HSV stellten sich anschließend öffentlich vor den Mittelfeldspieler und verurteilten die Vorfälle.
Emotionen mit klaren Grenzen
Dahinter steckt ein unangenehmes Schwarz-Weiß-Denken: Es gibt nur Helden oder Versager. Und wer nicht mehr für den HSV spielt, gilt schnell als Verräter. Harte sportliche Kritik und Pfiffe gehören zum Profifußball. Dieser Sport lebt schließlich von Emotionen – positiven wie negativen.

Aber Kritik darf nicht in persönliche Hetze, Hass oder Bedrohungen umschlagen. Rassismus ist niemals in Ordnung. Für Angriffe auf das private Umfeld eines Menschen oder gar Todeswünsche gilt dasselbe.