Klose: Allerspätestens dann, wenn alles vom Bundestag beschlossen ist!
Inzwischen setzt sich die Ansicht durch: Es war sehr schlau, ausgerechnet Sie beide in die Rentenkommission zu schicken, zwei junge Politiker mit sehr unterschiedlichen Blickwinkeln. Was halten Sie von dieser Erzählung?
Klose: Ich kann das nachvollziehen, teile es aber nur bedingt. Denn ein bisschen klingt das ja wie: Da kamen die jungen Wilden und jetzt haben sie endlich gelernt, wie man vernünftig Politik macht. Das finde ich etwas despektierlich. Wir kommen ja nicht aus dem Kindergarten. Ich bin arbeits- und sozialpolitische Sprecherin meiner Fraktion, habe schon vorher große Gesetze mitverhandelt, etwa die neue Grundsicherung. Klar, Pascal und ich sind Menschen, die den Kompromiss nicht um jeden Preis machen, wir haben Überzeugungen, dieser Teil stimmt. Wir beide lassen uns nicht über den Tisch ziehen. Umso mehr freue ich mich jetzt auch, dass uns der Kompromiss auch gelungen ist.
Wir wollten beweisen, dass die politische Mitte zusammen etwas erreichen kann.
Pascal Reddig (CDU)
Wie genau haben Sie das hinbekommen, diese viel beschworene „Einvernehmlichkeit“, die auch Arbeitsministerin Bärbel Bas vorab so wichtig war?
Reddig: Ganz wichtig dafür war die Zusammensetzung der Kommission. Es war ja kein rein politisch besetztes Gremium, im Gegenteil: zehn der 13 Köpfe kamen aus der Wissenschaft. Das hat extrem geholfen. Die Diskussionen waren dadurch weniger geprägt durch Fragen wie: Wofür steht diese oder jene Partei? Sondern eher durch den Blick auf die Forschung: Wie machen andere Länder das? Was bringt dieser oder jener Schritt wirklich? Als Politiker konnten wir so auch eigene Parteipositionen leichter hinterfragen.
Klose: Wir wollten keine Koalitionsverhandlungen führen, die Wissenschaft sollte ihren Raum bekommen, daran haben auch Frank-Jürgen Weise und Constanze Janda, die Vorsitzenden, immer wieder erinnert. Und eine andere Sache will ich noch ergänzen: Als wir unsere Arbeit begonnen haben, war die fast einhellige öffentliche Meinung: Die kriegen eh nichts hin. Das hat bei uns allen schon einen gewissen Trotz ausgelöst, das hat uns motiviert. Jetzt erst recht, jetzt machen wir da was richtig Gutes draus.
Reddig: Da stimme ich Annika zu. Und: Wir wollten beweisen, dass die politische Mitte zusammen etwas erreichen kann. Dass wir uns eben nicht nur streiten, sondern dass wir bei allen Unterschieden Lösungen finden, die das Leben für die Menschen in diesem Land besser machen.










