Deutschland schwitzt, die Temperaturen drehen weiter auf und sogar der absolute Landesrekord gerät in den Blick. Wie heiß kann es jetzt noch werden?

Noch nie wurde in Deutschland eine höhere Temperatur gemessen als am 25. Juli 2019 an den offiziellen Messstationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Tönisvorst und Duisburg. Bis auf 41,2 Grad stieg das Thermometer – dann war Schluss.

Jetzt könnten einzelnen Prognosen zufolge komplett neue Dimensionen erreicht werden. „Es droht ein Hitzehammer von bis zu 44 Grad“, schrieb die „Bild“-Zeitung und zitierte den Meteorologen Karsten Brandt mit einer eindringlichen Warnung an die Menschen im Land: „Bleibt zu Hause, das ist eine Notlage.“ Tatsächlich berechnen einzelne Wettermodelle für den Sonntag bis zu 44 Grad im Osten.

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Aber: Wie realistisch ist die Annahme wirklich, dass der alte Hitzerekord – Ende Juli im Hochsommer gemessen – nun, Ende Juni, förmlich pulverisiert werden könnte?

Der extremste Einzelpunkt – gegen die seriöse Mitte

Der Diplom-Meteorologe Dominik Jung erklärt auf Anfrage von t-online, er glaube nicht an solche Werte: „44 Grad sind nach aktueller Datenlage nicht das, was man erwarten kann“, teilte er mit. „Das ist der äußerste, sehr unwahrscheinliche Rand des Möglichen.“

Der Hintergrund: Meteorologen lassen für ihre Prognosen verschiedene Modelle in unterschiedlichen Läufen eine Vielzahl von Daten errechnen. Einzelne, besonders heiße Modellläufe würden dabei immer wieder nach oben ausreißen, erklärt Jung. „Wenn man dann aus dem gesamten Spektrum der Modellläufe (dem sogenannten Ensemble) nicht den wahrscheinlichsten Wert nimmt, sondern den extremsten Einzelpunkt herausgreift, landet man genau bei solchen 43- oder 44-Grad-Zahlen.“

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„Ein gewisses Fremdschämen“

Die seriöse, durch die Modelle gestützte Spanne für die heißesten Regionen liege aktuell bei rund 40 bis 41 Grad, betont der Diplom-Meteorologe. Lokal seien eventuell auch 42 Grad möglich. „Das ist auch der Bereich, den meine Kollegen vom DWD kommunizieren“, meint Jung. Damit seien sowohl der deutsche Juni-Rekord (39,6 Grad im Jahr 2019 in Bernburg an der Saale) als auch der deutsche Allzeitrekord von 41,2 Grad realistisch in Reichweite – 44 Grad aber nicht.

Ihn habe beim Lesen der 44-Grad-Prognosen „ein gewisses Fremdschämen überkommen“, sagt Jung. Die aktuelle Lage sei zu ernst, um derart hohe Zahlen ohne realistische Grundlage zu verbreiten. Die Hitzewelle sei gefährlich genug: durch ihre Länge, durch die tropischen Nächte ohne Abkühlung und durch die gegen Ende der Welle zu erwartenden Unwetter. Jung: „Die Menschen haben verlässliche, einordnende Informationen verdient – keine Jagd nach der höchstmöglichen Schlagzeilen-Zahl.“

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