Schwankungen an den Börsen
Wegen Hitze: Strompreis steigt auf über 500 Euro
19.06.2026 – 15:19 UhrLesedauer: 3 Min.

Wegen der Hitze und der starken Sonneneinstrahlung spielen die Strompreise an der Börse verrückt. Für die Versorgung ist das keine gute Nachricht.
Schon an den sonnigen Feiertagen im Mai hatten die Börsenstrompreise in Deutschland Schlagzeilen gemacht: Aufgrund der enorm hohen Solareinspeisung waren am 1. Mai 2026 die Strompreise in den Mittagsstunden auf –600 Euro/Megawattstunde (MWh) gefallen – das ist der tiefste Wert, der technisch überhaupt möglich ist. Hintergrund war die fehlende Nachfrage am Feiertag und die unkontrollierte Solareinspeisung vor allem durch private PV-Anlagen.
Hohe Nachfrage durch Klimaanlagen
Und auch am kommenden Wochenende dürfte es an der Strombörse zu stark schwankenden Preisen kommen. Diesmal drehen die Märkte allerdings in die gegenteilige Richtung: Durch die Hitze wird mehr Strom für Klimaanlagen und die Kühlung insbesondere von Rechenzentren benötigt, sodass dieser vor allem in den Abendstunden sehr teuer werden kann. Ein erstes Beispiel dafür lieferte der Donnerstagabend, als der Strompreis an der Börse auf über 500 Euro/MWh anstieg:
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In der Mittagszeit, als viel Solarenergie erzeugt werden konnte, konnte die erhöhte Nachfrage noch problemlos bedient werden; mit Einbruch der Dunkelheit musste dafür zusätzlicher Strom einkauft werden, etwa aus dem Ausland oder indem Kohle- oder Gaskraftwerke angeworfen wurden. Da die Stromerzeugung aus diesen Quellen im Vergleich zu Solar deutlich teurer ist, spiegelt sich dies in den steil steigenden Preisen am Donnerstagabend wider.
Auf Haushalte haben diese Strompreisschwankungen meist keine Auswirkungen, es sei denn, sie nutzen einen dynamischen Stromtarif. In diesem Fall zahlen Verbraucher immer so viel für Strom, wie er gerade an der Börse wert ist. Die größte Auswirkung haben die Börsenstrompreise allerdings auf Industriebetriebe, die häufig direkt am Spotmarkt einkaufen.
Hitze kann zu Blackouts führen – das zeigt Kalifornien
Der gesamte Vorgang zeigt anschaulich, wo es aktuell im deutschen Stromsystem hakt. Zwar stammen mittlerweile fast 60 Prozent des deutschen Stroms aus erneuerbaren Quellen; die Energie kann aber aufgrund eines schleppenden Netzausbaus nicht immer effizient eingesetzt werden. Das führt zu extrem schwankenden Strompreisen: Tagsüber fallen sie immer häufiger ins Negative, was Netze an ihre Grenzen bringt und die Steuerzahler teuer zu stehen kommt. Denn wenn das Stromangebot die Nachfrage übersteigt, werden größere Anlagen abgeschaltet – bezahlt werden sie aber trotzdem so, als ob sie ihren Strom verkauft hätten.
Neben einem verstärkten Netzausbau werden daher auch vermehrt Batteriespeicher benötigt, die an Tagen mit viel Sonne oder Wind den überschüssigen Strom speichern, der abends dann wieder ins Netz fließen kann.