Drei Stunden Show, mehr als 30 Songs und ein Künstler in Hochform: Herbert Grönemeyer begeistert in Hamburg mit einem Akustik-Set. Zwischen die Musik mischen sich klare politische Ansagen.

Die Barclays Arena ist bis auf den letzten Platz gefüllt, als Herbert Grönemeyer gegen 20.10 Uhr die Halle betritt. Noch bevor der erste Ton erklingt, brandet minutenlanger Applaus auf. Der 69-Jährige reißt die Arme hoch, begrüßt die Fans mit energiegeladenen Gesten – und wirkt vom ersten Moment an, als habe er große Lust auf diesen Abend.

„Mittendrin – Akustisch“ heißt die Tour. Der Titel ist Programm: Die Bühne steht im Zentrum der Arena und schafft von Anfang an Nähe zwischen Künstler und Publikum. „Etwas leiser, feiner, zarter“ solle der Abend werden, kündigt Grönemeyer an. Das Auftaktlied „Unfassbarer Grund“ singt er a cappella, nur begleitet von einem Chor, der sich rund um die Bühne formiert.

Auf krachende E-Bässe verzichtet er zwar, doch ein Akustikkonzert bedeutet bei Grönemeyer keineswegs Verzicht auf Wucht. Manche Lieder klingen mit Streichern und Bläsern zunächst ungewohnt, doch die Zuhörer finden schnell Gefallen an dem neuen Klang.

Mitgebracht hat Herbert Grönemeyer seinen Hamburger Fans eine bunte Mischung aus fast 50 Jahren im Geschäft. Es ist aber kein reines Best-of: Zehn Songs stammen von seinen jüngsten Alben „Tumult“ und „Das ist los“. Aktuelles und Vertrautes greifen ineinander.

Auf seine Klassiker verzichtet der 69-Jährige dabei nicht. Beim „Steigerlied“ setzt er erstmals an diesem Abend ans Piano – Kenner ahnen, was folgt. Mit „Bochum“ schiebt er einen seiner größten Hits schon nach wenigen Minuten ins Set. Das Publikum ist begeistert und singt die Ruhrpott-Hymne lauthals mit. Ganz zu Grönemeyers Freude: „Jaaaa! Ach, ist das schön! Klasse!“, jubelt er.

Es folgen unter anderem Lieder wie „Mensch“, „Flugzeuge im Bauch“, „Dort und hier“, „Was soll das?“, „Halt mich“, „Kopf hoch, tanzen“, „Mambo“, „Männer“, „Alkohol“, „Unterwegs“, „Demo (Letzter Tag) und „Sekundenglück“. Dass er bei letzterem einen Teil auslässt, nimmt ihm niemand übel. „Ich war so begeistert von meinem Gesungen mit euch, dass ich den Mittelteil vergessen habe“, sagt er und lacht.

Vor allem die Balladen profitieren stark von den akustischen Arrangements. Wenn der Chor einsetzt, entsteht eine besonders intensive Atmosphäre – etwa bei „Der Weg“ oder „Warum“.

Doch Grönemeyer wäre nicht Grönemeyer, würde er es bei Gefühlen belassen. Er verbindet seine Pop-Poesie mit klarer politischer Haltung. Vor „Fall der Fälle“ hält er einen flammenden Appell gegen Rechtsextremismus: „Wir halten zusammen, egal, wie sehr gehetzt wird“, ruft er. Und weiter: „Wir bleiben so lange als bürgerliche Mitte stabil, bis ihr in euren Löchern verschwindet.“ Die Fans reagieren mit großem Jubel und lang anhaltendem Applaus.

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