Die Gewalt-Akte Hertha BSC
Immer mehr Randale durch Hertha-Fans
12.02.2026 – 18:40 UhrLesedauer: 3 Min.

Exklusive Zahlen zeigen: Hertha-Fans randalieren immer öfter, auch bei Auswärtsspielen. Trotzdem bleibt die Fanhilfe bei ihren schweren Vorwürfen gegen die Polizei. Die reagiert scharf.
Laut nicht öffentlicher Zahlen der Berliner Polizei fallen Fans von Hertha BSC bei Spielen ihrer Mannschaft immer häufiger mit Störungen auf. Das geht aus Daten der Landesinformationsstelle für Sporteinsätze (LIS) der Berliner Polizei hervor, die Zwischenfälle mit den sogenannten relevanten Hertha-Fans erfasst. Bei ihnen handelt es sich um rund 400 Personen, die regelmäßig auffallen. t-online liegen die Zahlen aus den Spielzeiten 2019/2020 bis 2022/2023 vor.
In der Saison 2019/2020 kam es demnach in 10 von 34 Hertha-Spielen zu Störungen durch Fans beziehungsweise zu 16 einzelnen Vorfällen mit Hertha-Unterstützern. Nach einer kurzzeitigen Abnahme in der Corona-Hochphase fielen die Berliner Fans in der Saison 2021/2022 bei 12 von 34 Spielen auf. Dabei verzeichnete die LIS insgesamt 29 einzelne Störungen. In der darauffolgenden Saison waren es bereits insgesamt 80 Störungen. Und in der Zweitligasaison 2023/2024 gab es 167 Störungen, wie es in den LIS-Unterlagen heißt. Dabei waren 25 der 34 Saisonspiele betroffen.
Die „Fanhilfe Hertha BSC“ teilt auf Anfrage von t-online mit, ihre eigenen Beobachtungen würden sich nicht mit den „Behauptungen der Polizei“ decken. Außerdem beruft sich ein Sprecher auf angebliche Daten der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS), die jährlich die Zahl der Zwischenfälle in allen Bundesländern erfasst. In den Jahresberichten wird jedoch gar nicht nach einzelnen Vereinen unterschieden. Insofern bleibt unklar, auf welche Zahlen sich die Fanhilfe von Hertha bezieht.
Im Gegenteil: Die Daten der LIS in Berlin stehen im Widerspruch zu den jüngsten Vorwürfen der Fanhilfe gegenüber der Berliner Polizei. Diese verwandle Teile des Berliner Olympiastadions regelmäßig in rechtsfreie Räume, Beamte würden ohne Grund Gewalt gegen Mitglieder der Hertha-Fanszene ausüben, so die Fanhilfe. Nach Herthas Heimspiel gegen den FC Schalke Mitte Januar hieß es, Beamte hätten Auseinandersetzungen mit Anhängern der Berliner provoziert und seien für eine Vielzahl an Verletzten verantwortlich. Die Fanszene der Hertha dagegen habe sich deeskalierend verhalten.
Der Sprecher des Berliner Landesverbands der Gewerkschaft der Polizei (GdP) hält dagegen: „Wir wissen nicht, was die Fanhilfe beobachtet hat, aber die Polizei Berlin behauptet nicht einfach Dinge.“ Die von der LIS angegebenen Vorfälle seien dokumentiert, so Benjamin Jendro. „Wenn man natürlich ein Weltbild verkörpert, dass Polizeianwesenheit allein Provokation ist, kommt man vielleicht auch zu dem Schluss, dass geworfene Gitter und Metallmülleimer sowie Schutzbewaffnung keine Straftaten sind.“
Weitere Polizeidaten, die t-online vorliegen, betreffen Störungen von Hertha-Anhängern nur bei Auswärtsspielen der vergangenen anderthalb Jahre. Demnach kam es in der vergangenen Spielzeit bei 16 von 19 Hertha-Partien in fremden Stadien (17 Aufeinandertreffen in der 2. Bundesliga und zwei Gastspiele im DFB-Pokal) zu Zwischenfällen mit mitgereisten Anhängern der Berliner Kicker.