Anderes Wetter, mehr Schmerz
Wetterfühlig bei Rheuma: Was ist dran an dem Mythos?
17.02.2026 – 11:18 UhrLesedauer: 3 Min.
Manche Menschen mit Rheuma haben das Gefühl, dass ihre Schmerzen zunehmen, wenn sich das Wetter ändert. Lesen Sie, was die Wissenschaft darüber weiß.
Es gibt eine Vielzahl an rheumatischen Erkrankungen, alltagssprachlich ist mit „Rheuma“ aber in der Regel die rheumatoide Arthritis gemeint, eine chronische Entzündung der Gelenke. Wenngleich diese sehr unterschiedlich verlaufen kann, äußert sie sich in vielen Fällen durch schubweise wiederkehrende Beschwerden. Typisch sind vor allem Schmerzen, Schwellungen und Steifigkeit in meist mehreren Gelenken.
Manche Betroffene haben den Eindruck, dass die Rheumaschübe bei ihnen bevorzugt in bestimmten Situationen einsetzen oder sich verschlimmern, beispielsweise im Zusammenhang mit einem Wetterumschwung. Ihre Beschwerden scheinen immer dann aufzutreten oder sich zu verstärken, kurz bevor oder sobald Schwankungen der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit oder des Luftdrucks stattfinden. Das ist allerdings eine subjektive Beobachtung. Was steckt aus wissenschaftlicher Sicht dahinter?
Die Frage, ob und wie sich Wetterumschwünge auf Schmerzen bei rheumatischen Erkrankungen auswirken, wurde bereits wiederholt untersucht, jedoch mit uneindeutigen Ergebnissen. Eine systematische Übersichtsarbeit, in der viele Studien zu dem Thema ausgewertet wurden, zeigte aber ein klareres Bild: Das Forschungsteam fand keinen statistisch belastbaren Zusammenhang zwischen Wetterveränderungen und dem Risiko, dass sich rheumatische (oder andere muskuloskelettale) Schmerzen verstärken.
Demnach ist es zwar keineswegs unbedingt der Einbildung geschuldet, wenn sich Schmerzen während eines Wetterumschwungs verschlimmern. Nur handelt es sich hierbei offenbar nicht um einen allgemeingültigen und vorhersagbaren Zusammenhang, der auf eine Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen Wetter und Rheumabeschwerden schließen ließe.
Warum manche Betroffenen ihre Rheumabeschwerden subjektiv als wetterabhängig wahrnehmen, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Die erwähnte Forschungsarbeit liefert dafür keine Erklärung. Möglicherweise hat es etwas mit einem psychologischen Phänomen zu tun, das Bestätigungsfehler heißt: Das menschliche Gehirn neigt dazu, bestätigende Erfahrungen stärker wahrzunehmen und im Gedächtnis zu behalten als widersprechende.
Anders als bei der rheumatoiden Arthritis scheint es jedoch bei Gicht durchaus einen Zusammenhang zum Wetter zu geben. So ergab eine Untersuchung, dass hohe Temperaturen in Kombination mit niedriger Luftfeuchtigkeit das Risiko für einen Gichtanfall deutlich erhöhen können.
Bei der Gicht entzünden sich die Gelenke, weil sich kleine Kristalle aus Harnsäure in den Gelenken ablagern. Die Studienautoren vermuten, dass sich die Kristallbildung verstärkt, wenn die Erkrankten bei heißem, trockenem Wetter weniger Flüssigkeit im Körper haben.
Bei einer chronischen Erkrankung ein feines Gespür für den eigenen Körper zu entwickeln, ist sinnvoll. Es kann helfen, individuelle Muster wahrzunehmen und einen besseren Umgang mit wiederkehrenden Beschwerden zu finden. Gerade die rheumatoide Arthritis wird von vielen Betroffenen als belastend erlebt, weil ihr Verlauf schwer vorhersehbar ist. Ob Schmerzen und Steifigkeit in den nachfolgenden Tagen zu- oder abnehmen, lässt sich oft kaum einschätzen. Vor diesem Hintergrund kann es tröstlich sein, persönliche Regelmäßigkeiten zu erkennen.
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