Branchenexperten erwägen Regelverschärfung

Wird das Handgepäck bald weggeschlossen?


13.06.2026 – 14:02 UhrLesedauer: 2 Min.

Geschäftsmann blickt auf Gepäckfächer: Die Mitnahme des eigenen Gepäcks sollte im Notfall keine Priorität haben. (Quelle: IMAGO/imageBROKER/Unai Huizi/imago)

Viele Flugpassagiere kennen die Regeln im Evakuierungsfall nicht oder ignorieren diese. Die Branche setzt auf Aufklärung, droht aber auch mit schärferen Konsequenzen.

Wenn ein Flugzeug brennt und geräumt werden muss, kommt es auf jede Sekunde an. Passagierflugzeuge sind so konzipiert, dass sie innerhalb von 90 Sekunden vollständig evakuiert werden können. Zumindest dann, wenn die Passagiere sich an die Regeln halten.

Häufig sorgen Passagiere allerdings für Verzögerungen, wenn sie anstatt das Flugzeug zügig zu verlassen, erst ihre Rucksäcke und Minikoffer aus den Gepäckfächern fischen. Damit behindere man sich nicht nur selbst, sondern gefährde auch andere Passagiere, warnt das Luftfahrt-Bundesamt. Nun erwägen Branchenexperten die Einführung härterer Maßnahmen, wie Geldstrafen oder auch das Abschließen der Gepäckfächer.

Jeder Dritte kennt Regel nicht

Nick Careen, Vizepräsident für Betrieb und Sicherheit der International Air Transport Association (IATA), sagte dem „Guardian“, es gelte den Passagieren zu vermitteln, dass es am wichtigen ist, das Handgepäck zurückzulassen. „Wir müssen diese Botschaft unmissverständlich rüberbringen.“

Careen reagierte damit auf eine aktuelle IATA-Umfrage unter Reisenden aus den USA, Großbritannien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Singapur, die die Ausmaße des Problems illustrieren. Nur 61 Prozent kennen demzufolge die bestehenden Regeln. Jeder Zehnte gab zudem an, diese trotz eindeutiger Anweisungen zu ignorieren. Auch die US-amerikanische Luftfahrtbehörde berichtete jüngst, dass immer mehr Passagiere in Notfällen den Anweisungen des Kabinenpersonals nicht Folge leisteten.

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Nun will der Branchenverband handeln – erst einmal jedoch mit mehr Aufklärung. In der vergangenen Woche startete die Kampagne „Save a life, not a bag“ (zu Deutsch: Rette ein Leben, nicht eine Tasche), mit der das Risikobewusstsein der Passagiere geschärft werden soll.

Sollte dieser Ansatz allerdings keinen Erfolg zeigen, behält sich die IATA weitere Maßnahmen vor. „Fangen wir mit Aufklärung an – danach müssen wir wohl etwas drakonischer vorgehen, sei es durch Strafen oder ein Schloss am Handgepäckfach.“

Schon wenige Passagiere können Evakuierung spürbar verzögern

Notfallevakuierungen aus Flugzeugen sind selten. Weltweit gibt es rund 30 Fälle im Jahr. Dann wird Zeit allerdings zum entscheidenden Faktor. Eine wissenschaftliche Simulation hatte 2023 gezeigt, dass bereits wenige Passagiere, die ihr Handgepäck aus den Gepäckfächern holen, eine Evakuierung spürbar verzögern und Fluchtwege blockieren können.

Das Luftfahrtbundesamt warnt zudem, dass das Gepäck Evakuierungsausrüstung wie etwa Notrutschen beschädigen kann. Zudem entsteht durch das Rutschen mit Rucksack oder Koffern ein Verletzungsrisiko – für sich selbst, aber auch andere.

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