Janosch wird 95
Hamburg ist die „Lieblingsstadt“ des Tigerenten-Papas
Aktualisiert am 10.03.2026 – 19:13 UhrLesedauer: 4 Min.
Seit Jahrzehnten wachsen Kinder mit der Tigerente auf. Ihr Erfinder Janosch feiert seinen 95. Geburtstag – und blickt auf ein Leben zurück, das alles andere als idyllisch war.
Die Tigerente ist für viele Menschen ein Stück Kindheit. Auf Tassen, Socken und Schnullern, als Plüschfigur oder im Fernsehen: Das Tier mit den schwarz-gelben Streifen ist bis heute allgegenwärtig. Ihren Ursprung hat die Figur in den Kinderbüchern von Janosch, in denen Tiger und Bär gemeinsam Abenteuer erleben.
Am Mittwoch (11. März) wird ihr Schöpfer 95 Jahre alt. Der Autor und Illustrator, der eigentlich Horst Eckert heißt, lebte lange in München und am Ammersee und wohnt seit mehr als 40 Jahren auf der Kanareninsel Teneriffa. Doch auch mit Hamburg verbindet Janosch besondere Erinnerungen. Die Hansestadt hat er mehrfach als seine „Lieblingsstadt“ bezeichnet.
Sein erster Besuch vor vielen Jahrzehnten hatte einen persönlichen Anlass. „In München hatte ich mich in eine 19-jährige Hamburgerin verliebt“, erzählte der Kinderbuchautor einmal der „Welt“. „Die sagte, komm doch mal vorbei, da kam ich mal vorbei.“ Seitdem sei Hamburg für ihn etwas Besonderes geblieben.
Auch künstlerisch hat Janosch Spuren in der Stadt hinterlassen. 2010 schenkte er dem Museumsschiff Rickmer Rickmers zwei Original-Radierungen mit der Tigerente. Zudem gibt es bekannte Kunstdrucke mit dem Titel „Hamburg, oh Hamburg“, auf denen unter anderem das Segelschiff in seinem typischen Stil zu sehen ist.
Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg widmete dem Künstler zu seinem 90. Geburtstag die große Retrospektive „Janosch. Lebenskunst“ (2021–2022). Die Ausstellung zeigte sein Werk weit über die Kinderbuchillustration hinaus.
Geboren wurde Janosch 1931 im oberschlesischen Bergarbeiterort Zabrze, heute in Polen. Seine Kindheit beschreibt er später als von Gewalt und Angst geprägt.
Der Vater trank stark, auch die Mutter griff zum Alkohol. Beide schlugen ihn, wenn er ihre Erwartungen nicht erfüllte. Auch die katholische Kirche verstärkte seine Ängste – mit der Vorstellung, wegen Sünden im Fegefeuer zu schmoren.
Einblicke in seine Kindheit gibt das Filmporträt „Janosch – ja ist gut, nein ist gut“ des Bayerischen Rundfunks, das aktuell in der ARD-Mediathek zu sehen ist. Darin schildert er auch die „Quälerei in der Hitlerjugend“, der er beitreten musste. Weil er körperlich weniger leistungsfähig gewesen sei als andere, sei er dort häufig schikaniert worden. „Die hatten mich auf dem Kieker“, erzählt er. „Dann haben sie mich geschliffen, bis zum Umfallen.“
Die Figuren Tiger, Bär und Tigerente entstanden auch aus Frust. Nachdem ihn die Münchner Kunstakademie abgelehnt hatte und erste Bücher kaum Beachtung fanden, wollte Janosch bewusst ein besonders gefühlvolles Buch schreiben.











