Doch die Arbeitgeberseite bleibt hart und weist alle Forderungen zurück. Um die Auswirkungen des wochenlangen Streiks einzudämmen, werden Streikbrecher angeworben: Menschen aus der Umgebung, aber auch aus Italien und England, kommen und übernehmen die Arbeit im Hafen.

Die Gewerkschaften und die SPD unterstützen den Arbeitskampf inzwischen und sammeln Spenden für die Streikenden. Bürgerliche Parteien, Ladenbesitzer, Professoren und Privatleute aus dem Ausland: sie alle solidarisieren sich mit Hafenarbeitern und zahlen in die Streikkasse ein.

Dennoch spitzt sich die Lage für die Streikenden weiter zu: Der damalige Kaiser Wilhelm II. ruft dazu auf, Soldaten gegen die Streikenden einzusetzen. Hamburger Politiker versuchen zunächst, den Konflikt zu deeskalieren und zu vermitteln, doch die Arbeitgeberseite zeigt sich nicht zu Gesprächen bereit.

Ende des Jahres 1896 stellt sich auch der Senat auf die Seite der Unternehmer. Versammlungen werden von Polizisten gesprengt, Hafenarbeiter werden festgenommen. Die Verbreitung von Flugschriften wird verboten, Gelder werden beschlagnahmt.

Mitte Januar 1897 reichen die Spenden nicht mehr aus, um das Leben der nun 17.000 Streikenden zu finanzieren. Zudem läuft der Hafenbetrieb durch die Streikbrecher wieder fast wie gewohnt. Nach elf Wochen Arbeitskampf geben die Menschen am 6. Februar schließlich auf.

Statt bessere Arbeitsbedingungen zu erhalten, stehen inzwischen viele Streikende ohne Job da: Nur ein Bruchteil der Hafenarbeiter wird wieder eingestellt, und das zu geringeren Löhnen. Mehr als 500 Menschen werden wegen Aufruhrs verhaftet. Der Frust der Arbeitnehmer entlädt sich auch auf der Straße, wo es zu blutigen Auseinandersetzungen mit der Polizei kommt.

Nur ein kleiner Erfolg ist ihnen geblieben: Schauerleute erhalten fortan ihren Lohn nicht mehr von den Schankwirten, sondern an Bord der Schiffe, auf denen sie arbeiten. Erst viele Jahre später, im Jahr 1912, wird der 9-Stunden-Tag offiziell eingeführt, und die Arbeitskonditionen im Hafen verbessern sich schleichend.

Dennoch gilt der große Ausstand in der Nachbetrachtung als prägend: Viele Hafenarbeiter traten nach der Niederlage in Gewerkschaften ein, Ende 1897 waren es mehr als 6.700 Mitglieder. Der Streik brachte die Entwicklung hin zu besseren Arbeitsbedingungen ins Rollen. Der Preis war jedoch für viele Hafenarbeiter und ihre Familien hoch.

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