Hunderte Fälle in Hamburg
Grippewelle: Experte warnt vor oft unbemerkter Gefahr
22.02.2026 – 17:32 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Grippewelle trifft Hamburg. Ein Herzspezialist aus der Hansestadt mahnt: Wer nach einer Virusinfektion zu früh wieder aktiv ist, riskiert seine Gesundheit.
Viele Menschen kämpfen in Hamburg aktuell mit Fieber, Husten und Erschöpfung. Allein in der Woche vom 16. bis zum 22. Februar wurden in Hamburg laut Robert Koch-Institut 490 Influenzafälle gemeldet, in der Vorwoche sogar 684 Fälle. Was häufig unterschätzt wird: Virale Infekte können nicht nur die Atemwege, sondern auch das Herz angreifen.
Dr. Frank Hennersdorf ist Chefarzt der Kardiologie an der Schön Klinik Hamburg Eilbek. Der Mediziner beobachtet nach eigenen Angaben regelmäßig, dass Patienten zu früh wieder Sport treiben oder sich stark belasten. Er warnt: Eine Herzmuskelentzündung kann sich häufig schleichend entwickeln und bleibt zunächst unbemerkt.
Hennersdorf sagt: „Typische Anzeichen wie anhaltende Müdigkeit, Kurzatmigkeit, Herzstolpern oder Brustschmerzen werden häufig als Nachwirkungen einer Erkältung fehlinterpretiert.“ Wer nach einer Infektion weiterhin unter ungewöhnlicher Erschöpfung oder Herzbeschwerden leide, sollte ärztlichen Rat einholen.
Eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) kann nach Angaben des Hamburger Arztes sowohl während der Virusinfektion als auch Wochen danach auftreten. Besonders gefährdet seien jüngere Menschen, die frühzeitig wieder sportlich aktiv würden. Viele berichteten von einem deutlichen Leistungsabfall.
Die Diagnose ist laut Hennersdorf mitunter schwierig, da die Symptome unspezifisch sind. Moderne Untersuchungsverfahren ermöglichten jedoch eine frühzeitige Abklärung und gezielte Behandlung. Mit rechtzeitiger Diagnose und konsequenter Schonung könne sich das Herz in den meisten Fällen vollständig erholen.
Nach schweren Verläufen bleibe jedoch etwa jeder fünfte Patient dauerhaft beeinträchtigt. Eine chronische Herzschwäche könne die Folge sein, sagt der Kardiologe. Er empfiehlt, während und nach einer grippeähnlichen Erkrankung auf Sport und intensive körperliche Belastung zu verzichten.
Mindestens zwei Wochen sollten Betroffene pausieren, bei schweren Verläufen bis zu vier Wochen. „Im Zweifel ist eine frühzeitige Abklärung der beste Schutz vor bleibenden Schäden“, sagt Hennersdorf.
