Gibraltar

„Ende der Tortur“: Diese Grenze ist nun kontrollfrei

Aktualisiert am 16.07.2026 – 09:53 UhrLesedauer: 3 Min.

Am Felsen von Gibraltar: Arbeiter bauen einen spanischen Grenzkontrollpunkt ab, der das umstrittene britische Überseegebiet von Spanien trennte. (Quelle: Marcos Moreno/AP/dpa/dpa-bilder)

Nach über 100 Jahren fällt die Grenzbarriere zwischen Spanien und Gibraltar. Ein historisches Abkommen macht den Weg frei

Nach mehr als einem Jahrhundert hat die Grenzbarriere zwischen Spanien und Gibraltar ausgedient. Seit Mitternacht gibt es keine Grenzkontrollen mehr zwischen dem EU-Land und dem britischen Überseegebiet. Der Abbau des 1908 errichteten, symbolträchtigen und etwa einen Kilometer langen Eisenzaunes wurde wenige Stunden nach Ende der Kontrollen feierlich eingeläutet. Die zwei Haupttore wurden als erste demontiert.

Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez nahm an der Zeremonie teil und sprach von einem „historischen Tag“ und vom „Fall der letzten Mauer in Kontinental-Europa“. Mit Blick auf die Inbesitznahme Gibraltars durch Großbritannien im Jahr 1704 betonte Sánchez, mit der Beseitigung der Grenzbarriere werde eine „Wunde von drei Jahrhunderten“ geschlossen und „eine neue Etappe voller Chancen und Hoffnungen“ für die Region eingeläutet.

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Möglich wurde der Schritt durch das im Februar vereinbarte Abkommen zwischen der Europäischen Union und Großbritannien, das am Mittwoch in Kraft trat. Ab sofort sollen Personen und Waren den Landübergang ohne die bisherigen Kontrollen passieren können. Gibraltar soll dafür eng an den Schengen-Raum und an neue Zollregelungen mit der EU angebunden werden. Passkontrollen wird es nur auf dem Flughafen und dem Hafen Gibraltars geben.

Wartezeiten von mehreren Stunden

Von den Änderungen profitieren vor allem die mehr als 15.000 Grenzpendler, die täglich zwischen der strukturschwachen spanischen Stadt La Línea de la Concepción in der andalusischen Provinz Cádiz und Gibraltar unterwegs sind, um vor allem dort zu arbeiten. Sie mussten häufig, insbesondere in der Hauptverkehrszeit, lange Wartezeiten an der Grenze in Kauf nehmen. Das Abkommen soll zudem die wirtschaftliche Zusammenarbeit in der Region erleichtern.

Die spanische Arzthelferin Consuelo, die die Grenze seit 30 Jahren passiert und in Gibraltar arbeitet, ist sehr glücklich: „Ich musste schon mal drei, vier Stunden warten, an manchen Tagen sogar länger, bis zu sieben Stunden. Die Tortur hat endlich ein Ende“, erzählte sie im TV-Sender RTVE.

Der Streit um die Souveränität geht weiter

Paradoxerweise ebnete ausgerechnet der Brexit den Weg für das Abkommen. Obwohl sich beim Referendum 2016 rund 96 Prozent der 34.000 Einwohner Gibraltars für einen Verbleib in der EU ausgesprochen hatten, musste das britische Überseegebiet die Union gemeinsam mit Großbritannien verlassen.

Nach jahrelangen Verhandlungen verständigten sich die Beteiligten schließlich auf einen Kompromiss, der den Grenzverkehr erleichtert, ohne aber den Souveränitätsstreit zu lösen. Spanien betrachtet Gibraltar am Südzipfel des Landes weiterhin als „Kolonie“ und als illegal besetztes Gebiet.

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