In der Todeszone
Nach 30 Jahren: Mount-Everest-Leiche „Green Boots“ identifiziert
Aktualisiert am 02.07.2026 – 03:19 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein Toter gilt seit 1996 zugleich als Wegweiser und Mahnmal am Mount Everest. Nun wurde bekannt, um wen es sich bei der Leiche handelt.
Seit dreißig Jahren liegt die unter dem Namen „Green Boots“ bekannte Leiche eines Bergsteigers in der Todeszone des Mount Everest. Sie diente anderen Gipfelstürmern beim Aufstieg in der Vergangenheit wegen der neongrünen Stiefel als Orientierung. Nun konnte sie identifiziert werden. Wie die Indo-Tibetan Border Police bekannt gab, handelt es sich um den zum Todeszeitpunkt 47 Jahre alten Inder Dorje Morup. Die Identifizierung sei mittels eines DNA-Tests gelungen.
Morup starb im Mai 1996 als einer von insgesamt acht Bergsteigern bei einem Unglück am höchsten Berg der Welt. Der Polizist hatte den rund 8.849 Meter hohen Berg im Himalaja mit einer Gruppe besteigen wollen, geriet auf etwa 8.000 Metern Höhe aber in einen schweren Sturm. Mehrere Teilnehmer kehrten um.
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Gipfel verwechselt
Morup sowie zwei weitere Männer setzten den Aufstieg fort und meldeten später die Gipfelbesteigung per Funk. Es wird aber angenommen, dass sie aufgrund der Sichtverhältnisse einen Nebengipfel mit dem eigentlichen Gipfel des Mount Everest verwechselten. Beim Abstieg unter extremen Wetterbedingungen kamen alle drei Männer ums Leben. Bis zuletzt war unklar, ob es sich bei dem Toten mit den neongrünen Bergsteigerstiefeln um Morup oder seinen jüngeren Kollegen Tsewang Paljor (†28) handelte.
Die Indo-Tibetan Border Police plant, den Leichnam zwischen Juni und September 2026 vom Berg zu holen. Die Bergung soll über die tibetische Seite des Mount Everest erfolgen. Dafür werde derzeit ein auf Höhenbergungen spezialisiertes Unternehmen gesucht.
Das Projekt dürfte nicht nur höchste alpinistische Expertise erfordern, sondern auch einen bürokratischen Kraftakt darstellen. Bevor der Tote überhaupt bewegt werden darf, sind umfangreiche Genehmigungen der chinesischen Behörden in Tibet nötig, schreibt die indische Tageszeitung „The Tribune“. Anschließend müssen die sterblichen Überreste Morups über die Grenze nach Nepal transportiert werden, um die finale Rückführung nach Indien zu organisieren.

Mount Everest: Bergung so gut wie unmöglich
Am Mount Everest sind seit Beginn der Aufzeichnungen über 340 Menschen ums Leben gekommen. Die Todesrate ist in den vergangenen Jahrzehnten dank besserer Ausrüstung zwar deutlich gesunken und liegt mittlerweile bei etwa 1 bis 2 Prozent, dennoch bleibt die Besteigung extrem gefährlich. Sherpas bezeichnen den Aufstieg aufgrund der im Frost konservierten Toten als „Leichengasse“. Die genaue Anzahl der geborgenen Leichen ist nicht öffentlich dokumentiert, da Bergungen auf dem Mount Everest extrem gefährlich, aufwendig und kostspielig sind. Es verbleiben weiterhin schätzungsweise rund 200 Leichen in der sogenannten Todeszone ab 8.000 Metern Höhe, in der es kaum Sauerstoff gibt.











