Die Getex-Übung beschäftigte sich daher mit einem solchen vielschichtigen Szenario: Eine Terrorgruppierung greift Deutschland auf mehreren Ebenen gleichzeitig an – aus der Luft, an Land, aber auch im Wasser.
Ein Großteil der Übung fand so auch auf offenem Gewässer statt. Dazu mieteten die Behörden einen Tanker an, um zu üben, wie ein Schiff der russischen Schattenflotte gestoppt und dessen Besatzung verhaftet werden kann. Hubschrauber der Spezialeinheit GSG 9 kamen ebenfalls zum Einsatz.
Zwar sprechen die Verantwortlichen nach Abschluss der Übung von einem großen Erfolg, betonen aber auch, dass man viel gelernt habe. Für Schindler ist dies der entscheidende Punkt: „Das Ziel einer Übung muss sein, dass maximal viel schiefgeht.“ Nur dann könne man etwas lernen. Auch Jochen Kopelke, Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), betonte im Vorfeld von Getex: Bei der Nachbereitung der Übungen stelle man oft „oft erheblichen Nachbesserungsbedarf“ fest, „schonungslose Kritik“ helfe bei der Aufbereitung. Die Bedeutung sei klar: „Wenn wir im Ernstfall über Hürden und Befindlichkeiten stolpern, verzeiht uns das keiner.“
So war es auch bei der Premierenübung von Getex 2017. Damals gab es viel Kritik an der Beteiligung des Militärs bei einem Test für die innere Sicherheit. DieBundesakademie für Sicherheitspolitik stellte fest, dass die Genehmigung der Bundeswehrbeteiligung zu „schwerfällig und zeitaufwändig“ gewesen sei. Experte Schindler betont: „Ein solcher Bundeswehreinsatz ist verfassungsrechtlich hochkomplex.“ Schließlich ist der Einsatzbereich eigentlich klar auf das Ausland festgelegt, im Inland gibt es strenge Richtlinien.
In Heiligenhafen haben Polizei und Bundeswehr in diesen Tagen Seite an Seite gearbeitet, seit 2017 hat sich die Zusammenarbeit intensiviert. Das Militär steuerte unter anderem zur Übung ein Chirurgenteam bei sowie Spezialeinsatzkräfte der Marine und ein Luftwaffengeschwader. Oberst Michael Skamel, Kommandeur des Landeskommandos Schleswig-Holstein, steht neben seinen Polizeikollegen auf dem weiträumig abgesperrten Gelände vor dem Heilighafener Strand und erklärt: „In bestimmten Fällen reichen die Fähigkeiten der Polizei nicht aus. Dann müssen wir einspringen.“
