Wer das Geld verdient, hat oft auch das letzte Wort. Paartherapeutin Nadine Reko erklärt, wann finanzielle Unterschiede Beziehungen vergiften.
Wer verdient das Geld? Wer kümmert sich um Haushalt und Kinder? Und wer entscheidet am Ende, wofür Geld ausgegeben wird? Fragen wie diese können in Partnerschaften schnell zur Machtfrage werden. Eine repräsentative Studie der Steuerplattform Taxfix zeigt: Für fast drei Viertel der Frauen ist finanzielle Unabhängigkeit entscheidend, um im Zweifel eine ungesunde Beziehung verlassen zu können. Gleichzeitig haben 39 Prozent der Frauen schon einmal eine wichtige Lebensentscheidung wie eine Trennung oder einen Jobwechsel nicht getroffen, weil sie es sich nicht leisten konnten.
Paartherapeutin Nadine Reko erklärt im Gespräch mit t-online, wie eine solche finanzielle Abhängigkeit entsteht, welche Warnzeichen Paare ernst nehmen sollten und wie Frauen aus dieser Falle wieder herausfinden.
t-online: Frau Reko, wie oft erleben Sie in Ihrer Praxis Frauen, die finanziell von ihrem Partner abhängig sind?
Nadine Reko: Das kommt immer wieder vor, ist allerdings oft nicht von Anfang an ersichtlich. Häufig taucht das Thema erst im Laufe einer Paartherapie auf. Dann zeigt sich, dass finanzielle Fragen Teil einer ungesunden Beziehungsdynamik sind. Man hört zum Beispiel Sätze wie: „Ich verdiene hier schließlich das Geld, also kannst du dich um den Rest kümmern.“ In solchen Momenten wird deutlich: Die Beziehung ist nicht mehr auf Augenhöhe.
Woran erkennt man im Alltag, dass ein Ungleichgewicht entsteht?
Ein wichtiges Signal ist, wenn die Leistungen des anderen nicht mehr gesehen werden. Viele Frauen sagen dann Dinge wie: „Ich kümmere mich den ganzen Tag um Haushalt, Kinder und Organisation, aber es zählt nicht.“ Wenn Wertschätzung fehlt und stattdessen ein Machtkampf entsteht, wird es problematisch.
Welche Rolle spielt Geld bei diesem Machtkampf?
Geld ist in Beziehungen oft ein Machtinstrument. Das beginnt überall dort, wo Kontrolle ausgeübt wird. Etwa, wenn eine Frau bei größeren Anschaffungen erst um Erlaubnis fragen muss. Ich habe schon Paare behandelt, die diskutiert haben, ob die Frau ein Wochenende mit ihren Freundinnen verreisen „darf“ und was er überhaupt davon habe, wenn er das bezahlt. Wenn Kontrolle über Geld gleichzeitig Kontrolle über Freiheit bedeutet, nennen wir das finanzielle Gewalt.










