Gelb wie Sonnenblumen, die sich dem Licht entgegenbeugen. Blau wie ein Himmel, der sich nicht verdunkeln will.
Diese beiden Farben, die untrennbar mit der ukrainischen Nationalflagge verbunden sind, haben das Ilkhom-Theater in Usbekistans Hauptstadt Taschkent in eine visuelle Meditation über Erinnerung, Widerstandsfähigkeit und kulturelle Identität verwandelt.
Die Ausstellung Gelb und BlauDie von der Delegation der Europäischen Union in Usbekistan und der Botschaft der Ukraine organisierte Konferenz wurde genau vier Jahre nach Beginn der umfassenden Invasion Russlands eröffnet.
Anstatt den Krieg durch Bilder der Zerstörung zu erzählen, bietet die Ausstellung etwas Ruhigeres und Intimeres: ein Porträt der Ukraine anhand ihrer kulturellen Symbole und ihrer zeitgenössischen Bildsprache.
Überarbeitung der Tradition
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Plakate von Pictoric, einem 2014 gegründeten ukrainischen Illustrationskollektiv. Die Künstler sind für ihren raffinierten grafischen Stil und ihre konzeptionelle Tiefe bekannt und interpretieren Elemente des ukrainischen Erbes durch zeitgenössisches Design neu.
Traditionelle Stickmuster und die komplizierte Geometrie der Wyschywanka finden sich in der gesamten Kollektion wieder. Aber hier sind sie nicht nur dekorativ. In einem Stück fließt ein gesticktes Motiv über die Fassade eines modernen Wohnblocks und deutet an, dass Tradition selbst in den urbansten Räumen zu Hause ist. In einem anderen Fall verwandelt sich ein volkstümliches Ornament in eine schützende Rüstung um eine menschliche Silhouette und verwandelt so das Handwerk in eine Metapher.
Auch Sonnenblumen, Weizenfelder und Dorflandschaften kehren wieder. Dabei handelt es sich jedoch nicht um romantische Hirtenszenen. Ein gelbes Feld wird zu einer fragmentierten Karte. Blaue Horizonte verschwimmen zu abstrakten Flächen. Volksbilder lösen sich in moderne Kompositionen auf. Die visuelle Spannung zwischen Vergangenheit und Gegenwart gibt der Ausstellung ihren Rhythmus.
Alltag unter Belastung
Die Ausstellung verzichtet bewusst auf explizite Darstellungen von Zerstörung. Stattdessen wendet es sich der ruhigen Beharrlichkeit des täglichen Lebens zu. Plakate zeigen in wechselndes Licht getauchte Küchen und Balkone, Straßenbahnlinien, die Stadtplätze überqueren, Spielplätze und Familientische. In einem Land, das unter Raketenangriffen leidet, ist Kultur eine gelebte Praxis.
Farbe bestimmt den emotionalen Rhythmus. Gelb und Blau erscheinen nicht nur als Flagge. Warmes Gelb weckt Erinnerungen, Fürsorge und Heimat. Tiefes Blau vermittelt Distanz, Unsicherheit und Reflexion. Gemeinsam schaffen sie einen visuellen Dialog zwischen Resilienz und Verletzlichkeit.
Im Kontext der groß angelegten Invasion russischer Streitkräfte erscheint diese Entscheidung bewusst. Es legt nahe, dass Kultur nicht nur durch Denkmäler, sondern auch durch die tägliche Praxis Bestand hat.
Jenseits der Plakate
Das Kulturprogramm ging über Plakate hinaus. Besucher wurden zu einer Vorführung des Dokumentarfilms von Anton Ptuschkin eingeladen Wir, unsere Haustiere und der Kriegder Soldaten und Freiwillige, Ukrainer und Ausländer gleichermaßen begleitet, die ihr Leben riskieren, um vom Konflikt betroffene Tiere zu retten.
Der Film stellt den Krieg durch Akte der Fürsorge und des Mitgefühls neu dar und legt nahe, dass die Menschheit auch in der Verwüstung fortbesteht. Wie aus Ptuschkins Werk hervorgeht, sind es manchmal nicht die Menschen, die die Tiere retten, sondern die Tiere, die die Menschen retten.
Die Eröffnung enthielt auch eine klare politische Botschaft. EU-Botschafter in Usbekistan Toivo Klaar bekräftigte die unerschütterliche Unterstützung der Europäischen Union für die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine.
„Die Ukraine und die ukrainische Kultur und Identität werden bleiben“, sagte er dem Publikum, während er neben Vertretern von EU-Mitgliedstaaten und europäischen Partnern stand, die zuvor eine gemeinsame Videobotschaft zum Gedenken an die Hunderte von Kindern herausgegeben hatten, die bei russischen Angriffen getötet wurden.
Die Ausstellung läuft bis Ende der Woche im Ilkhom-Theater in Taschkent und lädt Besucher ein, die Ukraine durch Kunst und nicht durch Schlagzeilen kennenzulernen.
