„Können kaum noch weiter fallen“

Europas Geburtenraten sinken auf ein historisches Tief


23.03.2026 – 11:01 UhrLesedauer: 2 Min.

Säugling mit Elternteil (Symbolbild): Immer weniger Kinder werden in Europa geboren. (Quelle: oatawa/getty-images-bilder)

Neue Daten zeigen: Die Geburtenrate in der EU ist auf ein Rekordtief gefallen. Fachleute sehen dafür mehrere Ursachen und warnen vor den langfristigen Folgen.

Die europäische Statistikbehörde Eurostat hat für das Jahr 2024 einen deutlichen Rückgang der Geburten gemeldet. Insgesamt kamen rund 3,55 Millionen Babys zur Welt – etwa 3,3 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die sogenannte Gesamtfruchtbarkeitsrate, also die durchschnittliche Zahl der Kinder pro Frau, sank auf 1,34. Damit hat sie den niedrigsten Stand seit Beginn der EU-weiten Datenerfassung im Jahr 2001 erreicht.

Experten sprechen in dem Zusammenhang oft von einer „Bestandserhaltungsgrenze“. Damit bezeichnen sie die Geburtenrate, die nötig ist, damit eine Bevölkerung langfristig stabil bleibt. Diese liegt laut den Vereinten Nationen bei etwa 2,1 Kindern pro Frau. Die EU unterschreitet diesen Wert bereits seit den 1970er-Jahren deutlich. Heute liegt kein europäisches Land mehr über dieser Marke.

Innerhalb Europas zeigen sich große Unterschiede: In Malta liegt die Geburtenrate bei nur 1,01 Kindern pro Frau, während Bulgarien mit 1,72 einen vergleichsweise hohen Wert erreicht. Deutschland bewegt sich mit 1,36 leicht über dem EU-Durchschnitt.

Auch große Volkswirtschaften schneiden unterschiedlich ab: Frankreich erreicht mit 1,61 die höchste Rate unter ihnen, während Spanien mit 1,10 und Italien mit 1,18 besonders niedrige Werte verzeichnen. Die Demografin Eva Beaujouan von der Universität Wien erklärt im Gespräch mit dem Portal „Euronews Health“: „In manchen Ländern, etwa in Südeuropa, sind die Geburtenraten bereits so niedrig, dass sie kaum noch weiter fallen können“.

Die Entwicklung betrifft nicht nur Europa. Weltweit sinken die Geburtenraten. Prognosen zufolge wird bis zum Jahr 2100 in mehr als 97 Prozent aller Länder die Geburtenrate unterhalb der Bestandserhaltungsgrenze liegen.

Fachleute führen mehrere Gründe für den Rückgang an:

Die sinkende Geburtenrate stellt Europa vor große Herausforderungen. Eine alternde Bevölkerung erhöht den Druck auf das Gesundheitssystem und den Arbeitsmarkt. Experten betonen jedoch: Kurzfristige Entwicklungen können täuschen. Ereignisse wie wirtschaftliche Krisen oder die Corona-Pandemie verschieben Geburten oft nur zeitlich. Dennoch bleibt der langfristige Trend eindeutig: In Europa werden immer weniger Kinder geboren.

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