Ein Wal, geschwächt von der Ostsee, kämpft ums Überleben: Experten berichten von einem kritischen Zustand. Wie groß ist sein Leid? Und gibt es noch eine Chance auf Rettung?
Wochenlang irrt ein Buckelwal durch die Ostsee, verfängt sich in Fischernetzen, wird befreit, nur um immer wieder auf den unzähligen Sandbänken des Baltischen Meers zu stranden. Nun liegt der Meeresgigant erschöpft, verletzt und krank wenige Hundert Meter von der deutschen Küste entfernt und bewegt sich nicht von der Stelle.
Daniela von Schaper begleitete tagelang die Rettungsmaßnahmen vor Ort. Im Gespräch mit t-online spricht die Meerschutz-Expertin von Greenpeace über die Lage vor Ort, mögliche Rettungsversuche und die Belastungen für Meeressäuger in der Ostsee.
t-online: Wie geht es dem Wal aktuell?
von Schaper: Unsere Meeresbiologin war heute Morgen gemeinsam mit der Wasserschutzpolizei beim Wal und hat sich ein Bild der Situation gemacht. Leider geht es dem Tier nicht gut, es wirkt sehr erschöpft. Es wird gerade diskutiert, ob ein erneuter Rettungsversuch sinnvoll ist.
Im Video | „Der Wal ist geschwächt und krank“
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Wie könnte so ein Rettungsversuch konkret aussehen?
Eine Möglichkeit wäre, vorsichtig an das Tier heranzukommen und es sanft zu animieren – etwa durch leichtes Anstoßen. Größere technische Eingriffe oder Maschinen sind aktuell nicht geplant. Es wird sehr genau abgewogen, was dem Tier helfen könnte, ohne ihm zusätzlichen Schaden zuzufügen.
Es heißt, der Wal stoße „furchtbares Heulen“ aus. Kann eingeschätzt werden, wie groß sein Leid ist?
Das ist sehr schwer zu beurteilen. Wir wissen nicht, was der Wal fühlt. Beobachtbar ist, dass er Hautveränderungen hat und noch ein Fischernetz im Maul hat – allerdings ist unklar, wie tief dieses hineingekommen ist. Zudem ist er geschwächt, weil er zuvor bereits in Netzen gefangen war.
Sind die Hautveränderungen dem niedrigen Salzgehalt des Wassers in der Ostsee geschuldet?
