Forscher melden Fund

In der Ötzi-Mumie steckt Leben


Aktualisiert am 04.06.2026 – 10:37 UhrLesedauer: 2 Min.

Die Füße von Ötzi: Die Mumie wird seit 1991 unter kontrollierten Bedingungen aufbewahrt. (Quelle: Marion Lafogler)

Mehr als 5.300 Jahre nach seinem Tod sorgt Ötzi erneut für eine Überraschung. Wissenschaftler haben in den Überresten des Mannes aus dem Eis mehrere Hefearten entdeckt – und daraus sogar Brot gebacken.

Wissenschaftler der Universität Trient haben in Ötzis Mumie lebende Mikroorganismen nachgewiesen. Für eine im Fachjournal „Microbiome“ veröffentlichte Studie entnahmen sie Haut-, Gewebe- und Wasserproben aus dem Inneren der rund 5.300 Jahre alten Leiche und stießen dabei auf Bakterien sowie mehrere Hefegattungen. Eine davon könnte unter den aktuellen Lagerbedingungen noch stoffwechselaktiv sein.

Ötzi wurde 1991 in den Ötztaler Alpen an der österreichisch-italienischen Grenze entdeckt. Seitdem lagert die Mumie bei konstant minus 6 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von 99 Prozent – Bedingungen, die dem ursprünglichen Fundort ähneln.

Die Gletschermumie Ötzi liegt im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen. (Quelle: imago stock&people/imago)

Vom Gletschermann zum Sauerteig

Insgesamt identifizierten die Wissenschaftler vier verschiedene Hefen, die an extreme Kälte angepasst sind. Solche Mikroorganismen kommen vor allem in Regionen wie der Antarktis oder den Alpen vor. Die Forscher gehen davon aus, dass die Hefen nach Ötzis Tod in seinen Körper gelangten.

Anschließend vermehrte das Team eine der Hefen aus dem Darm der Mumie unter kontrollierten Bedingungen im Kühlschrank. Daraus entstand schließlich ein Sauerteig. „Wenn man jemandem erzählt, dass man Hefe hat, wird sofort gefragt: Kann man damit Brot backen?“, so Studienleiter Mohamed Sarhan.

Der erste Versuch gelang allerdings nicht. Nach rund drei Monaten Arbeit habe das Team jedoch einen „sehr, sehr guten Sauerteig“ hinbekommen, berichtete Sarhan.

Rekonstruktion von Ötzi: Eine neue Studie zeigt, dass in den 5.300 Jahre alten Überresten des Mannes aus dem Eis noch immer Mikroorganismen leben könnten. (Quelle: Copyright: xDreamstimexSergiomon/imago)

Seltenes Darmbakterium entdeckt

Die Wissenschaftler sehen in der Hefe jedoch mehr als eine kuriose Zutat für Brot. Ihren Untersuchungen zufolge kann sie Phenol abbauen. Die Chemikalie wurde nach der Entdeckung der Mumie 1991 eingesetzt, um Pilzwachstum auf den sterblichen Überresten zu verhindern.

Nach Einschätzung der Forscher könnte die Hefe künftig dabei helfen, Phenol in belasteten Umgebungen abzubauen. Auch weitere Anwendungen sind denkbar. Auf die Frage, ob die Hefe zum Bierbrauen genutzt werden könnte, antwortete Sarhan: „Das steht auf der Liste.“

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