Personalbeben bei der DB
Bahn-Vorständin muss wohl schon nach drei Monaten gehen
26.02.2026 – 21:39 UhrLesedauer: 2 Min.
Nach nur kurzer Zeit im Amt steht Finanzvorständin Karin Dohm offenbar vor dem Aus. Laut einem Medienbericht soll der Aufsichtsrat ihre Abberufung vorbereiten.
Die Deutsche Bahn hat sich einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge nach nur drei Monaten wieder von ihrer Finanzvorständin Karin Dohm getrennt. Wie das Blatt berichtet, soll der Aufsichtsrat die Abberufung auf seiner Sitzung in drei Wochen beschließen. Demnach steht die Entscheidung bereits fest, formell müssen noch Details geklärt werden.
Aufsichtsratschef Werner Gatzer wollte dem Bericht zufolge am Donnerstagabend in einer digitalen Sitzung über die Personalie informieren, sagte das Treffen jedoch kurzfristig ab. Dohm war erst zum 1. Dezember 2025 als Chief Financial Officer in den Vorstand der Deutschen Bahn berufen worden.
Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ soll Dohm in den ersten Wochen mehrere Konflikte ausgelöst haben. Unmittelbar nach ihrem Amtsantritt habe sie eigene Mitarbeiter einer umfassenden Leistungskontrolle unterziehen wollen, was intern als Misstrauensvotum gewertet worden sei. Zudem hätten einzelne Politiker auch nach drei Monaten noch nicht den Eindruck gehabt, sie sei in die Strukturen des Staatskonzerns ausreichend eingearbeitet. Auch im Vorstandsgremium sei die Stimmung angespannt gewesen.
Zum offenen Bruch kam es dem Bericht zufolge mit dem Konzernbetriebsrat. Dohm habe im Dezember eine sogenannte Gesellschafterweisung unterschrieben, die eine Aufspaltung der Bahn-Tochter DB Services zur Folge habe – ohne zuvor mit Arbeitnehmervertretern zu sprechen. Die Konzernbetriebsratsvorsitzende Heike Moll schrieb in einer internen Information, das Vorgehen zeuge „weder von sozialer Kompetenz noch von Wertschätzung gegenüber den Beschäftigten“. Von einer „vertrauensvollen Zusammenarbeit“ könne keine Rede sein.
Moll erklärte zudem, Dohm habe eine „rote Linie“ überschritten. Würden Mitarbeitende in vergleichbarer Weise gegen Absprachen verstoßen, „müssten sie um ihre berufliche Zukunft bangen“.
Dohm verfügt über langjährige Erfahrung im Finanzbereich. Die Diplom-Volkswirtin, Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin begann ihre Karriere bei Deloitte und wechselte später zur Deutschen Bank, wo sie verschiedene Führungsfunktionen übernahm. 2021 wurde sie Finanzvorständin der Hornbach-Gruppe.
Im März 2025 schied sie dort vorzeitig aus, obwohl ihr Vertrag bis 2028 lief, um zum Autozulieferer Continental zu wechseln. Dort sollte sie im Zuge der geplanten Abspaltung des Automotive-Geschäfts die Finanzverantwortung übernehmen. Nur wenige Wochen nach ihrem Start gab Continental jedoch bekannt, dass Dohm ihre Funktion aus gesundheitlichen Gründen nicht fortführen könne.
Die Bahnchefin Evelyn Palla holte Dohm daraufhin zum Staatskonzern. Sollte der Aufsichtsrat die Abberufung wie berichtet beschließen, wäre Dohms Zeit bei der Deutschen Bahn eine der kürzesten in der jüngeren Vorstandsgeschichte des Konzerns.
