Doch die Frage ist, ob die um ihr politisches Überleben fürchtende Partei ihn diesen Weg weiter gehen lässt. Oder ob der Druck so groß wird, dass der Bundesparteitag am letzten Mai-Wochenende nicht wie geplant ein neues Grundsatzprogramm diskutiert und beschließt, sondern eine neue Führung wählt.

Nur: Sollte Dürr zum Rückzug gezwungen werden, wer soll dann an die Spitze der taumelnden FDP gehen? Nach der verlorenen Bundestagswahl im Februar vergangenen Jahres sprachen sich die Liberalen selbst Mut zu, indem sie daran erinnerten, dass sie 2013 auch aus dem Bundestag geflogen waren – und dann angeführt von Christian Lindner vier Jahre später triumphal zurückkehrten.

Doch die Sache hat einen Haken: Lindner war – und damit tritt man ihm nicht zu nahe – das, was man eine politische Rampensau nennt. Man konnte ihn auf jede Bühne stellen, er sprach aus dem Stand heraus ohne Redemanuskript knapp, pointiert und schlagfertig und begeisterte sein Publikum.

Eine ähnlich charismatische Führungsfigur ist bei der FDP heute nicht in Sicht. Ein Effekt der verlorenen Bundestagswahl war auch, dass sich kluge Köpfe wie der Niedersachse Konstantin Kuhle oder der Nordrhein-Westfale Johannes Vogel weitgehend aus der Politik zurückzogen.

Die Freien Demokraten stünden für alle, die in Deutschland etwas bewegen und neue Wege in die Zukunft einschlagen wollten, sagte Generalsekretärin Büttner, als sie am Abend in der FDP-Zentrale das Wahldebakel von Rheinland-Pfalz zu erklären versuchte. „Um genau diese Menschen für uns zu begeistern, müssen auch wir neue Wege gehen. Wir müssen dabei mit uns anfangen. Und das tun wir.“

Büttner kündigte an, in den Sitzungen der Parteigremien werde konkret besprochen, was die nächsten Schritte für die FDP sein müssten. Ein dazu von Parteichef Dürr dem Präsidium bereits am Wahlabend vorgelegtes Konzept wurde dort nach Informationen aus der Partei überwiegend als wenig überzeugend angesehen. Im Bundesvorstand dürfte viel Unmut laut werden, hieß es.

Erwartet wird, dass der Vorsitzende der Jungen Liberalen, Finn Flebbe, einen Antrag zur Abwahl von Dürr und Büttner stellen wird. „Sollten wir in Rheinland-Pfalz nach zehn Jahren erfolgreicher Ampelregierung am Sonntag rausfliegen, werden sich die Jungen Liberalen deutlich positionieren“, sagte der Chef der FDP-Nachwuchsorganisation vor wenigen Tagen dem Portal WEB.DE News. Offen ist, wie eine Abstimmung über einen solchen Antrag ausginge.

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