08.03.2026 – 22:15 UhrLesedauer: 4 Min.

Es könnte im laufenden Jahr die erste und letzte Wahl gewesen sein, bei der die FDP eine realistische Chance auf Erfolg hatte. Jetzt ist klar: Genutzt hat die Partei sie nicht. Was folgt daraus für die Liberalen und ihren Vorsitzenden Christian Dürr?
Verzweiflung und Entsetzen bei der FDP: Der Wahlausgang in Baden-Württemberg könnte, so die Meinung vieler in der Partei, der Anfang vom endgültigen Ende bedeuten für die einst so stolze Partei, die die politischen Geschicke der Bundesrepublik über Jahrzehnte stark geprägt hat.
Nachdem die Liberalen vergangenes Jahr bei der Bundestagswahl zum zweiten Mal binnen zwölf Jahren an der Fünfprozenthürde gescheitert waren, galt parteiintern die Losung: Alle Kraft auf Baden-Württemberg, um bei der Landtagswahl ein Lebenszeichen zu senden. Dann seien auch die absehbar schwachen Ergebnisse bei den anderen Wahlen in Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin zweitrangig.
Jetzt ist klar: Aufgegangen ist dieses Vorhaben nicht, die Enttäuschung ist groß. Und als nächstes droht der Partei jetzt der Machtkampf um die Spitze, an der aktuell Christian Dürr steht.
„Das war’s für uns“, sagte ein hochrangiger Parteifunktionär t-online noch am Wahlabend. „Jetzt können wir einpacken.“ Was er damit meint: Jetzt wird es noch einmal schwieriger, den Wiederaufstieg in der außerparlamentarischen Opposition zu schaffen. So schwierig, nach Meinung vieler in der Partei, dass es kaum zu schaffen ist. Zumal, und auch das monieren immer mehr Insider, mit dem aktuellen Parteichef, mit Christian Dürr, dem früheren Fraktionsvorsitzenden im Bundestag.
In Parteikreisen jedoch rechnen nur wenige damit, dass Dürr von sich aus zurücktritt. Am Sonntagabend sagte Dürr in der ARD: „Wir sind nach der Bundestagswahl bei null gestartet und mir war klar, dass das ein Marathonlauf wird und kein Sprint ist.“ Dazu gehörten auch Niederlagen, die FDP sei mitten in der Erneuerung. Dabei schwang mit: Ich bin noch nicht fertig mit der Erneuerung, es geht gerade erst los.
Doch ob er dazu kommt, ist offen. Der Druck auf Dürr jedenfalls dürfte in den kommenden Wochen wachsen. Was auch an der emotionalen Bedeutung liegt, die innerhalb der Partei dem Bundesland Baden-Württemberg beigemessen wird. Die nämlich lässt sich aus liberaler Perspektive kaum überschätzen:
Schon im 19. Jahrhundert entstand im Großherzogtum Baden eine erste starke liberale Bewegung, seit 1866 treffen sich Liberale Anfang Januar zur traditionellen Dreikönigskundgebung in Stuttgart. Stets holte der FDP-Landesverband Baden-Württemberg, der Parteigranden wie den früheren Bundespräsidenten Theodor Heuss und den Außenminister Klaus Kinkel hervorbrachte, Ergebnisse oberhalb des Bundesschnitts. Nie zuvor flog die FDP im Ländle aus dem Landtag.