Joshua Kimmich und die Kritik
„Harakiri“? Seine Antwort lässt aufhorchen
Aktualisiert am 01.03.2026 – 12:08 UhrLesedauer: 4 Min.

Der DFB-Kapitän entscheidet das umkämpfte Topspiel beim BVB. Dabei sah er sich zuvor noch Kritik ausgesetzt – wegen eines verheerenden Fehlers
Aus Dortmund berichtet Kim Steinke
Joshua Kimmich kam gerade in die Tiefgarage des Signal Iduna Parks von Dortmund, da fiel er BVB-Star Karim Adeyemi in die Arme. Beide lachten, schlugen ab, dann trennten sich die Wege der beiden Nationalspieler. Während Adeyemis Lachen schnell verschwand, strahlte der Leistungsträger des FC Bayern München weiter – und das aus gutem Grund.
Der FC Bayern hatte am Samstagabend das Topspiel bei Borussia Dortmund mit 3:2 gewonnen – und die Bundesliga wohl gleich mit. Elf Punkte Vorsprung auf den schwarz-gelben Verfolger sind es nun, ein Statement in der Schlussphase, ein Wirkungstreffer, vielleicht sogar der Wirkungstreffer im Titelrennen. Und Kimmich mittendrin. Er leitete den zwischenzeitlichen Ausgleich durch Harry Kane (54. Minute) ein und entschied dann die Partie in einer packenden Schlussphase mit einem satten Schuss selbst (87.).
„Wir wussten: Je länger das Spiel dauert, desto größer wird unser Vorteil“, erklärte Kimmich nach der Partie. „Den haben wir zum Glück ganz spät noch ausgespielt.“ Dass ausgerechnet der Kapitän, der die Binde in Abwesenheit des verletzten Manuel Neuer trägt, zum Spielentscheider werden würde, überraschte. Denn noch vor einer Woche stand Kimmich auch wegen einer aufsehenerregenden Szene im Fokus – damals aber vor dem eigenen Tor.
Beim 3:2-Sieg der Bayern gegen Eintracht Frankfurt wurde die Schlussphase zum Leidwesen der Münchner zu einem echten Krimi. Und fast hätten die Bayern das Spiel nach einer komfortablen 3:0-Führung doch noch aus der Hand gegeben. Mitverantwortlich: Kimmich. Der spielte in der 86. Minute nämlich einen zu riskanten Querpass vor dem eigenen Strafraum. Teamkollege Min-jae Kim ging dem Ball nicht entschlossen genug entgegen – und ließ dadurch zu, dass Frankfurts Arnaud Kalimuendo dazwischenspitzen und den Anschlusstreffer erzielen konnte.
Bayern-Sportvorstand Max Eberl sprach Kim danach von jeglicher Schuld frei – und schob sie indirekt Kimmich zu. „Das ist natürlich Harakiri, was wir da gespielt haben“, sagte er, ohne aber Kimmich direkt beim Namen zu nennen. „Das hätten wir uns sparen können. Ich weiß, man will viel spielerisch lösen, aber das ist dann ein Stück weit zu viel. Dann heißt es irgendwann, wenn die Gefahr zu groß wird: Auch mal löschen.“ Für einen, der das Spiel normalerweise dirigiert, wirkte es wie ein Taktverlust. In der Folge wurden Stimmen laut, Kimmich stecke in einer kleinen Formkrise. Er spiele seit dem Jahreswechsel unter seinen Fähigkeiten.