Einbürgerungen

Fast alle deutschen Neubürger wählen den Doppelpass

Aktualisiert am 02.06.2026 – 04:30 UhrLesedauer: 3 Min.

In Berlin wurden laut Mediendienst Integration im vergangenen Jahr rund 36.100 Anträge auf Einbürgerung gestellt. (Symbolbild) (Quelle: Jörg Carstensen/dpa/dpa-bilder)

Neue Zahlen zeigen: Die Mehrheit der frisch eingebürgerten Deutschen behält ihre alte Staatsangehörigkeit – aus emotionalen Grünen oder wegen praktischer Vorteile, etwa was Immobilienbesitz angeht.

Von der neuen Möglichkeit der doppelten Staatsbürgerschaft hat der überwiegende Teil der Menschen Gebrauch gemacht, die im vergangenen Jahr Deutsche wurden. Das zeigen die Ergebnisse einer Umfrage des Mediendienstes Integration.

Demnach lag die Quote der Mehrstaatigkeit in den Städten, die hierzu Daten gesammelt haben, zwischen 85 Prozent und 98 Prozent. Die wenigen Neubürger, die keinen Doppelpass wählten, taten dies den Angaben zufolge in den meisten Fällen, weil sie entweder vor der Einbürgerung staatenlos waren oder weil ihr Herkunftsland die Mehrstaatigkeit grundsätzlich nicht oder nur in Ausnahmefällen gestattet. Das gilt etwa für Indien, Äthiopien und Eritrea.

Reform hat Doppelpass für alle neu Eingebürgerten ermöglicht

Die Koalition von SPD, Grünen und FDP hatte eine Reform des Staatsangehörigkeitsrecht beschlossen, die Ende Juni 2024 in Kraft trat. Seither darf, wer Deutscher wird, generell die bisherige Staatsangehörigkeit behalten. Vorher war das nur für EU-Bürger möglich, sowie in bestimmten Ausnahmefällen und wenn der Herkunftsstaat die Entlassung aus der alten Staatsangehörigkeit verweigert.

Seit der Reform reichen für die Einbürgerung fünf statt bisher acht Jahre rechtmäßiger, gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland. Besonders gut integrierte Ausländer konnten sich nach der Reform bereits nach drei Jahren einbürgern lassen – diese sogenannte Turbo-Einbürgerung hat die schwarz-rote Bundesregierung aber im vergangenen Jahr wieder gekippt.

Warum der Doppelpass so populär ist

Dass die Mehrstaatigkeit früher in Deutschland nicht generell erlaubt war, hielt vor allem Menschen, die sich dem Herkunftsland beziehungsweise der alten Heimat ihrer Eltern emotional und kulturell verbunden fühlen, davon ab, sich einbürgern zu lassen. Doch auch praktische Gründe spielen eine Rolle, etwa erleichterte Reisen, Erbrechts- und Eigentumsfragen oder die Möglichkeit, in beiden Staaten zu arbeiten.

In bestimmten Fällen war die doppelte Staatsbürgerschaft schon früher möglich. Seit einer Reform der Ampel-Regierung ist sie generell erlaubt. (Symbolbild) (Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa/dpa-bilder)

Wer gegen die Mehrstaatigkeit spricht

Ginge es nach der AfD, würde die doppelte Staatsbürgerschaft nur in begründeten Einzelfällen zugelassen. Die Union steht ihr im Gegensatz zum Koalitionspartner SPD auch eher skeptisch gegenüber. Vor allem Politiker wie Fraktionschef Jens Spahn und der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Alexander Throm (beide CDU), äußern Skepsis. Gegner des Doppelpasses bringen etwa mögliche Loyalitätskonflikte sowie die vermutete Gefahr von „Parallelgesellschaften“ als Argumente vor.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nahm im April 2025 an einer Einbürgerungsfeier in Köln teil. (Archivfoto) (Quelle: Oliver Berg/dpa/dpa-bilder)
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