Umfrage zeigt gefährliches Verhalten
Was viele Lkw-Fahrer einfach ignorieren
19.03.2026 – 16:05 UhrLesedauer: 3 Min.
Moderne Assistenzsysteme sollen Unfälle verhindern – doch viele Lkw-Fahrer nutzen sie nicht konsequent. Studien zeigen, was die Gründe sind.
Unfälle mit Lkw gehören zu den folgenschwersten im Straßenverkehr. Aufgrund ihres hohen Gewichts und ihrer Größe haben Kollisionen oft fatale Konsequenzen. Die Ursachen sind vielfältig: Zu geringer Abstand auf Autobahnen führt regelmäßig zu Auffahrunfällen am Stauende.
Übermüdung und Zeitdruck können die Reaktionsfähigkeit der Fahrer beeinträchtigen. Auch Ablenkung, etwa durch Navigationsgeräte oder das Handy, spielt eine Rolle. Hinzu kommen unangepasste Geschwindigkeit, Fehler beim Abbiegen – etwa durch den toten Winkel – sowie technische Defekte oder unzureichend gesicherte Ladung.
Fahrerassistenzsysteme sollen solche Risiken reduzieren. Sie warnen vor Gefahren, greifen im Notfall ein oder unterstützen beim Spurhalten und Bremsen. Doch diese Technik wird nicht immer genutzt: Eine Umfrage des UADS-Instituts im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) zeigt, dass 59 Prozent – also mehr als die Hälfte – der befragten Lkw-Fahrer ihre Assistenzsysteme nicht durchgehend einsetzen.
19 Prozent der Befragten schalten einzelne Funktionen häufig ab, weitere 40 Prozent zumindest gelegentlich. Besonders häufig deaktivieren die Fahrer den Spurhalteassistenten: Rund 56 Prozent nutzen ihn regelmäßig nicht. Es folgen der intelligente Geschwindigkeitsassistent (16 Prozent) und der Abstandsregeltempomat (15 Prozent). Seltener abgeschaltet werden der Abbiegeassistent (8 Prozent) und der Notbremsassistent (5 Prozent).
Ein Grund für die zurückhaltende Nutzung liegt offenbar in der Ausbildung. Knapp 32 Prozent der Fahrer gaben an, keine Einweisung in die Systeme erhalten zu haben. Weitere 45 Prozent wurden lediglich durch Kollegen eingewiesen, während nur rund 24 Prozent eine offizielle Schulung erhielten. Entsprechend unsicher ist der Umgang: 36 Prozent fühlen sich nicht ausreichend informiert, etwa zwölf Prozent wissen nicht genau, welche Systeme in ihren Fahrzeugen verbaut sind. Rund 22 Prozent empfinden die Technik als schwer verständlich.
Hinzu kommen praktische Probleme im Alltag. Mehr als die Hälfte der Befragten fühlt sich durch Warnungen, Eingriffe oder Fehlalarme gestört oder abgelenkt. Zwar halten rund 80 Prozent Assistenzsysteme grundsätzlich für sinnvoll, doch knapp 37 Prozent verlassen sich eher nicht oder gar nicht auf sie.
DVR-Präsident Manfred Wirsch hält fest: „Assistenzsysteme sind keine Dekoration.“ Er sieht sie als Schutzengel für alle Verkehrsteilnehmer und fordert bessere Schulungen. „Wer sie abschaltet, nimmt bewusst ein höheres Risiko in Kauf und gefährdet Menschenleben innerhalb und außerhalb des Fahrerhauses.“
Auch andere Studien weisen auf die Diskrepanz zwischen Potenzial und Nutzung hin. Bereits 2024 hatte eine Umfrage der Allianz-Versicherung ergeben, dass rund die Hälfte der Fahrer von schweren Fahrzeugen Assistenzsysteme zumindest teilweise abschaltet. Als Gründe nannten sie unter anderem, die Systeme seien störend, unpraktisch oder funktionierten nicht zuverlässig.











