Was verbindet einen toten Fahrradkurier mit der Bundesdruckerei? Bonard und Karow ermitteln. Der Tatort ist sachlich, stark, aber nicht ohne Manko.
Eine „Tatort“-Kritik von Maria Bode
Ein junger Essenskurier wird überfahren. Zunächst sieht alles nach einem tragischen Unfall aus. Doch der Lieferrucksack des Opfers ist verschwunden, die Polizei geht daher schnell von Mord aus. So beginnt der Berliner „Tatort: Erika Mustermann“.
Die Ermittlungen führen Kommissarin Susanne Bonard (Corinna Harfouch) und Kommissar Robert Karow (Mark Waschke) in die Bundesdruckerei. Dorthin lieferte der Kurier regelmäßig Suppe, Cola und Kekse. Auffällig ist: Der Lieferant hat nie eine Pause oder einen freien Tag gemacht, arbeitete rund um die Uhr. Was hat es damit auf sich?
Bald kommt heraus: Der getötete Kurier arbeitete unter falschem Namen. Und tat dies nicht allein. Gemeinsam mit seinem Bruder und einem Freund war er aus Venezuela nach Deutschland gekommen. Ohne Papiere, mit gefälschter Identität. Die drei teilen sich einen Account beim fiktiven Lieferdienst „Cheetahs“ und fahren täglich Essen durch Berlin – auch in die Bundesdruckerei.
Bonard und Karow ermitteln in alle Richtungen. Ein Hinweis führt zu einer Sicherheitsmitarbeiterin der Bundesdruckerei, mit der der Kurier offenbar liiert war. Bald haben die Ermittelnden Zweifel an ihren Aussagen.
Wer in diesem Fall genau gegen, mit oder für wen arbeitet, bleibt lange unklar. Wer ist involviert? Wer weiß etwas, wer von nichts? Teilweise wirkt der Fall sehr komplex, sodass das Publikum leicht den Faden verlieren kann. Dieser „Tatort“ braucht zweifellos die volle Aufmerksamkeit des Publikums.
Der „Tatort: Erika Mustermann“ dreht sich nicht nur um das Thema Migration. Die Szenen mit den illegalen Kurieren zeigen, wie prekär das Leben in einer scheinbar organisierten Welt sein kann. Was heißt Identität? Und wie weit kann man einem System vertrauen, das Menschen ausschließt? Diese Fragen wirft der „Tatort“ nebenbei auf. Er zwingt zum Nachdenken – und bleibt so auch über das Ende hinaus präsent.
Und: Wer genug hat von Ermittlerduos, die sich zu intensiv um private Probleme kümmern, statt Fälle zu lösen, wird hier aufatmen. Bonard und Karow sind Profis. Sie siezen sich, sie arbeiten scheinbar distanziert sachlich zusammen, und doch entsteht da ein besonderes Teamgefühl. Gerade, weil nichts überdeckt oder überzeichnet wird. Das fühlt sich in diesem „Tatort“ wohltuend konzentriert an. Nur ein einziges privates Telefonat gibt es, mehr nicht. Der Fall steht im Mittelpunkt. Und das ist gut so.










