Faktenchecker
Daher stammt die Zahl von 60.000 Corona-Impftoten wirklich
28.04.2026 – 11:16 UhrLesedauer: 3 Min.
Derzeit erregen Zehntausende angebliche Todesfälle nach Corona-Impfungen online Aufsehen. Fachleute widersprechen solchen Zahlen jedoch deutlich.
In sozialen Netzwerken verbreitet sich derzeit die Behauptung, in Deutschland seien bis zu 60.000 Menschen an den Folgen der Corona-Impfung gestorben. Auch einzelne Medien haben diese Zahl bereits aufgegriffen. Dahinter steckt die Aussage eines pensionierten Toxikologen vor einer Bundestagskommission. Fachleute und Behörden sehen allerdings keinerlei Belege für solche Zahlen.
Hochrechnung als Ursprung der Debatte
In einer Sitzung der Corona-Enquetekommission des Bundestages im März äußerte der frühere Tiermediziner und Toxikologe Helmut Sterz (der laut eigenen Angaben zwischen 2001 und 2009 bei Pfizer gearbeitet hat) die These, es gebe eine hohe Dunkelziffer an Todesfällen nach Impfungen. Er vervielfachte die offiziellen Zahlen um den Faktor 30 und kam so auf bis zu 60.000 Tote.
Einen wissenschaftlichen Nachweis für diesen sogenannten Underreporting-Faktor, also eine angenommene Untererfassung von Meldungen, legte er nicht vor. Hingegen erklärt Linda Sanftenberg, klinische Versorgungsforscherin am LMU-Klinikum in München und stellvertretende Vorsitzende des Nationalen Aktionsbündnisses Impfen (NABI): „Ein pauschaler Faktor 30 für Todesfälle gilt in der Pharmakovigilanz nicht als Standardannahme.“ Dies trifft sowohl auf die USA als auch auf Deutschland zu.
Offizielle Meldedaten deutlich niedriger
Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das in Deutschland die Sicherheit von Impfstoffen überwacht, nennt deutlich niedrigere Zahlen: Von 2020 bis 2024 gingen dort 2.133 Meldungen über Todesfälle nach einer Impfung mit dem Biontech/Pfizer-Impfstoff ein. Dabei ist allerdings zu beachten, dass diese Meldungen Verdachtsfälle beschreiben. „Verdachtsfall“ bedeutet, dass ein Ereignis zeitlich nach einer Impfung auftritt – nicht, dass die Impfung die Ursache war.
Anders ausgedrückt: Die gemeldeten Verdachtsfälle „sind keine bestätigten Impftodesfälle“, wie Sanftenberg betont. „Aus der reinen Anzahl solcher Meldungen kann keine tatsächliche Häufigkeit von Nebenwirkungen berechnet werden“, so die Expertin.
Strenge Prüfung aller Verdachtsfälle
Daher prüfen Fachleute jeden gemeldeten Fall einzeln. Dazu nutzen sie standardisierte Verfahren der Weltgesundheitsorganisation (WHO), um den Zusammenhang zwischen Impfung und Ereignis zu bewerten. Diese Kausalitätsprüfung ergab, dass in 28 Fällen möglicherweise oder wahrscheinlich ein ursächlicher Zusammenhang mit der Impfung besteht.
Schwere Fälle fallen kaum unter den Tisch
Fachleute betonen, dass schwere Nebenwirkungen wie Todesfälle in der Regel zuverlässig erfasst werden. Alle, die Impfstoffe herstellen oder verabreichen, müssen solche Ereignisse melden. Daher ist die Meldequote bei Todesfällen für gewöhnlich vergleichsweise hoch.
Statistik spricht gegen die hohen Schätzungen
Auch statistische Daten sprechen gegen die hochgerechneten Zahlen. Wären tatsächlich Zehntausende Menschen an Impfungen gestorben, müsste die Forschung klar erkennbare Muster aufdecken, etwa eine stark erhöhte Sterblichkeit direkt nach Impfkampagnen oder auffällige Häufungen in bestimmten Gruppen. Doch selbst hohe Datenmengen, die aus mehreren Ländern stammten, konnten keine entsprechenden Hinweise liefern.
Im Gegenteil: Viele wissenschaftliche Studien zeigen, dass Corona-Impfstoffe das Sterberisiko nicht erhöhen. So fand eine Analyse, die fast sieben Millionen Personen umfasste, keinen Zusammenhang zwischen Impfung und erhöhter Sterblichkeit. Geimpfte hatten sogar ein geringeres Risiko zu sterben als Ungeimpfte.










